Das Land der Geschichten und Gedanken

Hier nun dreht sich alles um die Geschichten, welche euch entführen sollen in eine andere Welt. Wir können mit ihnen Schätze finden, Weltmeere unsicher machen oder die verschiedensten Länder der Kontinente ganz einfach bereisen.

Emotionen finden sich zusammen, je nach Lust und Laune kann man hier seiner Stimmung entsprechend verweilen.

Nur keine Scheu, tretet ein in die Fantasie der Gedanken!

Gedächtnis meiner Seele

1. Telegramm vom Südpol (Antarktis) 

So, endlich einen ruhigen Platz gefunden ... nun noch Block und Stift gezückt und es kann losgehen! Nach zwei Tagen der Reise, sowohl zu Fuß als auch per Schiff und Hundeschlitten, sind wir endlich am Südpol angelangt. Und es war wahrlich keine einfache Reise. Zuerst sind wir zur südlichsten Spitze Südamerikas gewandert und haben dort dann auf ein Schiff gewartet, welches uns mit in Richtung Antarktis nehmen konnte. Gott sei Dank kam dieses recht schnell in Form eines Frachters, welcher den Südpol mit Speisen, Heizöl, Kleidung und anderen Sachen belieferte. Immerhin gab es dort mehrere Forschungsstationen, welche versorgt werden mussten. Natürlich musste ich ein bisschen mit Kapitän flirten, bevor dieser uns dann tatsächlich mitnahm. Leider führten die nicht immer ganz piekfeinen Manieren meiner Tierchen, vor allen Dingen aber der unangenehme Geruch der Esel und Schweine dazu, dass wir dann doch schon ungeplant am nördlichsten Zipfel von der Antarktis vom Schiff geschmissen wurden.

Da standen wir nun. Nur mit relativ dünner Kleidung bekleidet, zitternd vor Kälte und müde von der schon lange andauernden Reise sowie von der recht anstrengenden Schiffsfahrt mit einigen ungehobelten Matrosen. Und wieder einmal hatten wir mir Glück als Verstand. Ein älterer Herr mit seiner halben Armada an Hundeschlitten und gefühlt hunderten und aberhunderten von Huskys fuhr an uns vorbei und blieb erstaunt stehen, als er Vogelsträuße und Affen in der Antarktis stehen sehen sah.
Er bot uns seine weiteren Hundeschlitten und wärmende Decken an. Er wollte uns mitnehmen, zumindest bis in die Nähe des eigentlichen Südpols - wo wir ja nun eigentlich hinwollten. Wäre es nur so einfach gewesen. Zuerst hatten wir die Schlitten nach Tierrassen getrennt - also ein Schlitten für die Kühe, ein Schlitten für die Hasen, ein Schlitten für die Schafe und so weiter. Doch schon nach den ersten Kilometern waren die Huskys, welche die Schlitten der schweren Tiere wie Elefanten und Kühe ziehen mussten zuerst zurückfielen und dann ganz aufhörten zu rennen. Sie hatten sich komplett verausgabt. Also mussten wir nun umdenken und vor allen Dingen umplanen. Die Tiere wurden anders verteilt und auf ging es in rauschender Geschwindigkeit hin zum Südpol. Zum Schluss bekamen wir noch warme Kleidung geschenkt und liefen dann die letzten Meter zum Südpol. Dort schlugen wir unsere Zelte auf, kuschelten uns in die dicken Schlafsäcke. Die Müdigkeit hatte gewonnen und entführte uns in die schönsten Ecken einer Traumwelt.
Als wir am nächsten Morgen aufwachten stand in der Mitte unserer Zeltstaat eine Art Schwenkgrill in welchem ein schönes Feuer vor sich hin loderte. Neben dem Feuer standen Töpfe, welche mit Fleisch gefüllt waren. Erst später habe ich erfahren, dass es sich hierbei um Walfleisch handelte. Wir aßen es und ich muss sagen, es schmeckte gar nicht so übel ... es fehlte etwas an Würze. Aber woher sollte ich am Südpol, bei der Kälte Salz und Pfeffer nehmen. Es war also eine kulinarische Erfahrung der ganz besonderen Art, aber im Großen und Ganzen haben wir uns dann doch dazu entschieden, dass wir es nicht immer so haben mussten.
Ich habe mich schon mal ansatzweise umgeschaut, aber eine bekannte Farmwirtschaft ist hier nicht zu finden. Es wäre auch recht schwer, der Schnee und das Eis liegen teilweise meterdick über dem mehr als nur gefrorenen Boden. Ich kann also mit Fug und Recht behaupten, wenn man hier Farmwirtschaft betreiben würde ... man würde sich über kurz oder lang die Knochen kaputtarbeiten. Eine Auswanderung hier her würde sich also nicht wirklich lohnen!

In diesem Sinne wünsche ich noch einen schönen Tag und sage ... bis demnächst! 

Eure Nadine

 
 
2. Telegramm aus Agra (Utlar Pradesh) 
 
Hallo meine Lieben,
 

so, noch schnell die Füße in den Fluss gehalten, Block und Bleistift gezückt und schnell ein paar Zeilen geschrieben. Immerhin sollt ihr ja weiterhin von unseren Reisen und Stationen informiert sein.
Wir sind am 19.09.2011 spät am Abend in Indien angekommen, nachdem wir mit einem kleinen Fischkutter von der Antarktis bis zur südlichsten Spitze Indiens geschippert sind. Dann noch ein paar (auf ein paar mehr Kilometer) zu Fuß und mit dem Esel ... die Rikschas waren uns dann doch zu komisch und vor allen Dingen die Menschen, welche diese gezogen haben. Gibt es eigentlich auch in Indien ein Gesetz für bzw. gegen Alkohol vor der Rikscha? Nein? Sollte man dringend einführen glaube ich!
Naja, wir haben dann eine Nacht in einem kleinen Hostel an einem wunderschönen wenn auch recht lautstark befahrenen Fluss verbracht und sind dann weiter zu dem Denkmal Indiens ... zum Taj Mahal. Das Mausoleum, welches in der ganzen Welt bekannt ist und ich muss schon sagen, es hat uns wahrlich in seinen Bann gezogen. Zumindest mich! Meine Tierchen waren sehr gelangweilt und ließen sich auch mit viel Überredungskunst meinerseits nicht wirklich zu mehr Enthusiasmus anleiten. Den Schweinchen war einfach alles zu warm ... peinlicher Weise haben sie sich dann dazu entschlossen, einfach mal in dem Brunnen davor baden zu gehen! Meine Kühe fanden die Zierbäumchen sehr lecker, diese haben sie dann ins sehr komische Formen gefressen. Naja und meine Sträuße haben sich einen Spaß daraus gemacht die netten Inder über die Wiesen zu jagen. Wir konnten also nicht wirklich lange dort bleiben. Aber auch hier hat es wieder für ein paar Fotos gereicht.
Nach dem Taj Mahal sind wir dann auf einen nahe gelegenen Markt gegangen und haben uns mit Proviant eingedeckt. Diese Farben ... ihr glaubt es mir nicht ... aber diese Farbenvielfalt war einfach nur der Wahnsinn. Das Gelb schien die Sonne auf die Erde zu holen, das Orange schien das Feuer ins sich eingeschlossen zu haben. Die Gerüche führten einen in immer wieder neue Phantasiewelten. Himmlisch. Frischer Pfeffer, frischer Koriander, Safran ... alles was das Herz begehrt. Man durfte probieren, kosten und schmecken. Man durfte riechen, fühlen und anschauen. Man bekam das Gefühl für einen minimalen Augenblick die Welt in den Händen halten zu können.
Doch auch hier konnten und wollten wir nicht lange bleiben, immerhin hatten wir noch einen weiten Weg vor uns. Mit einem wirklich kleinen Boot, welches meine Tierchen dann zu Strafe für ihr schlechtes Benehmen beim Taj Mahal selbst voranpaddeln durften, sind wir Flussaufwärts in die Berge gefahren. Dort gibt es natürlich Farmwirtschaft, aber eine ganz ganz ganz andere als hier. Dort spielen viel mehr Gewürze und Tee eine Rolle. Wir haben uns eine Teeplantage etwas genauer angeschaut. Hier haben wir eine sehr interessante Führung bekommen ... einen kleinen Auszug daraus haben meine Tierchen für euch vorbereitet:


Der Tee ist ein heißes Aufgussgetränk, das aus unterschiedlichen Pflanzenteilen (Blättern, Knospen, Blüten, Stängel) der Teepflanze zubereitet wird.
Teepflanzen waren zunächst nur in China bekannt. 1823 wurden in Assam (Indien) wildwachsende Pflanzen entdeckt, die aber längere Zeit nicht richtig identifiziert wurden. Erst ab 1834 wurde diese Art kultiviert und mit anderen Arten gekreuzt. Die Kreuzungen wurden bald auch in anderen für sie geeigneten Regionen gezüchtet und angebaut. Teesträucher lassen sich aus Samen oder aus Setzlingen, was heute die Regel ist, heranziehen. Die Jungpflanzen werden in eigenen nurseries (Aufzuchtbeutel mit guter Muttererde) neun Monate sorgfältig gepflegt. Pro Hektar werden 12.000 bis 13.000 Setzlinge benötigt. Danach muss die Pflanze drei bis sechs Jahre weiterwachsen, bis sie zum ersten Mal geerntet werden kann. Der Ertrag eines Hektars ergibt durchschnittlich 1500 Kilogramm aufgussfertigen Tee. Die „Lebenserwartung“ der indischen Teesträucher beträgt 30 bis 50 Jahre, während die chinesischen Arten bis zu 100 Jahre alt werden können. Die Stecklinge werden aus den Trieben von besonders kräftigen und ertragreichen Mutterpflanzen gewonnen. Es ist sogar möglich, Teepflanzen für spezielle Umweltbedingungen etwa mit Resistenzen gegen gewisse Schädlinge oder Krankheiten zu züchten.
Bei der traditionellen Produktion von Schwarztee durchlaufen die Teeblätter fünf Stufen: das Welken (Withering), damit die Blätter weich und zart werden, das Rollen (Rolling), das Aussieben, die Oxidation und zum Schluss die Trocknung (Firing).
Um die Blätter nach dem Pflücken zu erweichen, wurden sie früher zwei Stunden in die Sonne gelegt. Später verwendete man Welkhürden in speziellen Hallen, in denen eine Temperatur von 20 bis 22 °C herrschte. Der Welkprozess dauerte dann bis zu 24 Stunden. Heute werden meistens so genannte Welktunnel eingesetzt, die die Teeblätter auf Fließbändern durchlaufen. Die Stärke der Welkung wirkt sich (im umgekehrten Verhältnis) auf den Grad der später erzielbaren Oxidation aus. Das Rollen erfolgt heute maschinell und dauert etwa eine halbe Stunde. Dabei werden die Zellen der Blätter aufgebrochen, so dass ätherische Öle freigesetzt werden. Anschließend werden die Teeblätter nach Qualität sortiert. Bei der Oxidation wird ihnen durch künstlich erzeugte hohe Luftfeuchtigkeit von über 90 Prozent bei genau 22 °C wieder Feuchtigkeit zugeführt, um die chemischen Prozesse in Gang zu setzen. Bei der Oxidation entsteht Wärme, die Temperatur der Blätter wird alle 15 Minuten gemessen und nach Erreichen der Höchsttemperatur von 29 °C durch Trocknung sofort abgebrochen. Wird dieser Zeitpunkt verpasst, haben die Teeblätter kein Aroma mehr und gelten als „verbrannt“. Die Oxidation wird bei der traditionellen Teeproduktion als Fermentation bezeichnet, obwohl sie keine relevante mikrobakterielle Komponente enthält. In der modernen Teetechnologie wird sie nicht mehr als Fermentation bezeichnet.
Getrocknet wird in Maschinen mit Hilfe von Heißluft. Bei Ceylon reichen 20 Minuten bei 90 °C, Assam braucht wesentlich länger. Anschließend wird der Tee sofort wieder abgekühlt.
Bei Grüntee findet im Unterschied zu Schwarztee keine Oxidation statt. In China und Indien, auf Sri Lanka und Taiwan und jüngst auch in Afrika wird auch halb oxidierter Tee (Oolong) hergestellt.
Einzelne Teeplantagen, in denen besondere Teespezialitäten hergestellt werden, produzieren noch nach alten Methoden, bei denen das Welken an der Sonne geschieht. Gerollt wird von Hand, die Oxidation findet in geflochtenen Körben statt.

So, das muss dann auch reichen! Ich sage euch, die arbeiten wirklich schwer, aber es lohnt sich. Der Tee, der dort wirklich ganz frisch zubereitet wurde ... extra für uns ... schmeckt viel viel aromatischer, als jener, denn man in abgepackten Teebeuteln im normalen Supermarkt kaufen kann. Natürlich konnte ich nicht widerstehen und habe mir eine kleine Packung mitgeben lassen. So, nun muss ich aber weiter! Noch eine letzte Nacht in Indien und dann reisen wir weiter nach ... Manila, Philippinen! Bis dahin wünsche ich euch noch eine schöne Zeit, wir freuen uns auf die nächsten Berichte die wir liefern können!

Ich sage Tschüß und Auf Wiedersehen

Eure Nadine

 

 
 
 
3. Telegramm aus Manila (Philippinen) 
 
Kontrast der Welten ...

Wir sind schon seit gestern Morgen in Manila und lassen uns den Südseewind um die Ohren wehen. Zur Zeit sitzen wir in einem kleinen Restaurant und lassen und ortsspezifische Köstlichkeiten schmecken … was nicht so ganz einfach ist. Man muss sich an den meist doch recht speziellen Geschmack gewöhnen. Meine Schweinchen lieben es, meine Hasen hassen es und ich ... ich bin die Schweiz, ich halt mich da raus. Es ist halt dezent gewöhnungsbedürftig.
Aber nun mal zum Text hier. Wir sind am frühen Morgen gelandet, die Welt hat noch tief und fest geschlafen. Naja fast die ganze Welt ... unser Taxifahrer war dann doch schon wach, zu unserem Glück. Ich hatte uns ein Hostel am Rande der Stadt gebucht, so dass wir immer und zu jeder Zeit weiterziehen konnte, immerhin wollten wir auch noch ein wenig Inselhopping machen ... aber erst einmal mussten wir dieses Hostel erreichen. Nach und nach verstopften sich die Straßen mit Autos, Fahrrädern, Mofas, Motorrädern, LKW´s, Eselskarren, Fußgängern etc. Zuerst fuhren wir durch die Bankenviertel, welche einem eine Welt von Reichtum und Luxus ohne Punkt und Komma zeigte. Die Außenfassaden der Häuser und Wolkenkratzer waren blitzeblank geschrubbt, die Fenster spiegelten die langsam aufgehende Sonne. Die Gehsteige waren ebenfalls unglaublich sauber, alles war gereinigt. Wir wussten gar nicht wo wir zuerst hinschauen sollten. Alles wirkte so fremd und gleichzeitig so anziehend. Ich schloss für einen Moment die Augen, ließ all die vielen Eindrücke schon mal für einen Augenblick auf mich wirken. Erst durch erstauntes Flüstern wurde ich wieder neugierig und öffnete die Augen wieder. Ich erschrak mich fürchterlich. Wir waren in einem der vielen Vororte angekommen. Alte Baracken, neben windschiefen Holzhütten und Steinbauten, welche kaum bei kleinstem Nieselregen genügend Schutz bieten würden. Mitten durch dieses Viertel, in welchem die Menschen einfach so auf der Straße saßen und alles zum Verkauf anboten, was sie entbehren konnten ... und das war nicht viel, führte ein Gleis. Und ohne Vorwarnung hielten wir an, kurz darauf rauschte ein Zug mit höchster Geschwindigkeit an uns vorbei. Aber ebenfalls auch vorbei an spielenden kleinen Kindern, schwatzenden alten Herren und zur unterbezahlten Arbeit eilenden Männern und Frauen - ohne Sicherung. Der Zug war vorbei und unser Taxi holperte über die Gleise hinweg, um dann nur wenige Meter dahinter wieder stehen zu bleiben. Der Fahrer wandte sich zu mir, zeigte auf die Uhr und streckte mir die Hand entgegen. Ich war schockiert ... wo hatte ich uns da bloß hingebucht? Ich lief hochrot an, als ich den ungläubigen und wütenden Blick meiner Tierchen auf mir spürte. Wir stiegen aus und betraten ein Ziegelsteinbau, welcher nicht sehr vertrauenerweckend aussah. Die Zimmer waren dann aber doch ganz annehmbar. Ich entschloss kurzfristig, wir würden hier nur eine Nacht bleiben und dann weiterwandern in Richtung Küste und blaues Meer. Die Nacht war nicht gerade die angenehmste, aber auszuhalten ... besser als in der Antarktis zu frieren war es allemal. Am nächsten Morgen wurde gut gefrühstückt und dann ging es auf. Durch dicht bewachsene Wälder, an Flüssen entlang und darüber hinweg bis hin zu den schönsten Stränden und zum klarsten Meer, was ich jemals gesehen habe. Es war lauwarm und keiner konnte uns daran hindern diese Erfrischung zu nutzen. Wir schmissen die Rucksäcke in den Sand und sprangen ins kühle Nass. Erst als die Sonne am Abend unterging verließen wir den Strand, schlugen unsere Zelte auf und genossen den freien Sternhimmel. Und um die Zeit etwas zu nutzen, haben wir versucht Sternbilder zu finden.
Tja, und heute sitzen wir hier in der Nähe vom Flughafen und genießen die letzten Köstlichkeiten des heutigen Essens. Und dann geht es auch schon wieder weiter.
Aber nun zu der Farmwirtschaft! Hier findet man viele Plantagen für Tabak, Kokos, Bananen, Mangos, Chili. Exotik soweit das Auge reicht. Aber auch hier gab es noch lange nicht die Technik und Maschinerie wie man sie bei uns finden kann. Auch hier arbeiten die Frauen und Männer sehr hart. Aber, eine frische Kokosnuss oder eine frische Mango sind mit nichts auf der Welt zu vergleichen. Diese Süße, dieses saftige Fruchtfleisch und dann der wirklich einmalige Duft dazu. Einfach unvergleichlich.
Und eben dies genießen wir nun noch eine Runde.
In diesem Sinne bis zum nächsten Mal ... wo auch immer das sein wird!

Eure Nadine

 
4. Telegramm aus der mongolischen Steppe (Mongolei) 
 
Hallo aus dem fernen Osten ... guten Morgen aus der Mongolei!
Wir sind schon gestern Abend sanft und sicher in der Hauptstadt (Ulaanbaatar) dieses wirklich außergewöhnlichen Landes gelandet. Leider sprach unser Pilot nur wirklich ein minimales Deutsch und überhaupt gar kein Englisch, sondern nur mongolisch. Leider waren unsere Sprachkenntnisse nicht so gut, dass wir hätten das verstehen können. Es war eine Buchstabensuppe. Also mussten wir uns mit Händen und Füßen verständigen. Hat aber auch geklappt, wir sind dort angekommen, wo wir doch tatsächlich hinwollten. Am Flughafen, der nicht gerade mit seiner Größe überzeugte wartete schon unser Transfershuttle, eigentlich mehr ein mit Band zusammen gebundener Haufen aus Blech, Glas und Gummi. Mit diesem " Etwas" ging es dann hinein in die unendliche Weite der mongolischen Steppe. Anfangs noch die Häuser der Stadt (Kleinstadt mit ca. 1.000.000 Einwohner, was knapp ein Drittel der kompletten Bevölkerung ist), dann vereinzelte Farmbetriebe mit Tieren auf den Weiden, die meine Tierchen noch nie gesehen haben und ganz zum Schluss kam dann das Nichts. Ganz weit in der Ferne sah man die Berge des Changai-Gebirges mit vielen 3000ern davor war wirklich eine unendliche Weite.

Wir hatten die mongolische Steppe erreicht, noch ohne Pannen und das obwohl der Motor unseres Gefährts bedrohlich vor sich hin fiepte, klapperte und gurgelte. Wir schwappten noch durch ein Wasserloch und blieben dann unvermittelt stehen. Der Motor erstarb und ich geriet in Panik. Doch unser Chauffeur war ganz gelassen und ruhig, lächelte mich nur an und zeigte dann auf eine Ansammlung von Kamelen und Menschen in den buntesten Gewändern. Unsere neuen Transportmittel waren im Anmarsch. Wir stiegen aus, der Transporter rumpelte wieder davon und wir wurden von wirklich sehr freundlichen Menschen Willkommen geheißen.Die Kamele legten sich unter lautem Protestgebrüll hin, so dass es uns möglich war auf ihrem Rücken Platz zu nehmen. Schon allein als sie wieder aufstanden wurde mir schon leicht grün um die Nase - man konnte doch tatsächlich auf dem Rücken eines solchen Tier Seekrank werden. Aber mit der Zeit, so nach ein oder zwei Stunden gewöhnt man sich an das gleichmäßige Schaukeln und Schwanken. Während wir auf den Kamelen vor uns hinwippten ritten sie auf ihren Pferden, als würden sie den ganzen Tag nichts anderes tun. Ab und an wurde eine Pause eingelegt, da gab es dann einheimische Nahrungsmittel zur Stärkung und eine wohlgemeinte Tasse Tee, der aber meist so stark war, dass es sich in mir schüttelte. Aber gegen den aufkommenden kalten Wind war er Gold wert, denn er wärmte von Innen heraus. Wohin die Reise allerdings ging wussten wir alle nicht ... wir alle bis auf unsere Begleiter.
Als die Dunkelheit dann wirklich unaufhaltsam über uns hereinbrach legten wir einen kleinen Stop ein. Es wurde ein großes Lagerfeuer errichtet und die sehr dicken Schlafsäcke wurde ausgerollt. Wir würden doch tatsächlich unter freiem Himmel schlafen. Bei den eisigen Temperaturen - unvorstellbar. Aber jetzt so im Nachhinein war es keine schlechte Erfahrung. Die Schlafsäcke hielten warm und der Anblick der vielen Sterne war unbeschreiblich intensiv. Am nächsten Morgen wurden wir durch den Geruch von frischem Speck und geröstetem Toast geweckt.Nicht gerade mein Lieblingsfrühstück am Morgen aber andere Länder, andere Sitten. Kurz darauf wanderten wir weiter und erreichten gegen frühen Mittag eine Ansammlung von weißen Zelten. Diese wurden Jurte genannt und waren die Behausung von Wanderhirten, welche ihre Tiere von einem zum anderen Ende des Landes trieben und immer schauten, wo sie den meisten Gewinn mit dem Verkauf von Erwirtschaftetem erzielen konnten. Freundlich wurden wir in so ein Zelt gebeten und der Mann, der immer wieder ein Auge aus der Tür auf seine Tiere und auch auf meine Tiere warf, erzählte mir so einiges über die Landwirtschaft in diesem Land - nichts ist so, wie es scheint.
Wegen der geografisch bedingt sehr kargen Böden hat sich in der Mongolei fast überhaupt kein Ackerbau entwickelt, im Gegenzug ist aber eine hoch spezialisierte Viehwirtschaft entstanden. Dabei werden genau fünf Nutztiere gehalten, deren Produkte und Nutzen genau aufeinander abgestimmt in die nomadische Lebensweise eingebunden sind: Schaf (Wolle, Milch, Fleisch), Ziege (Fell, Milch), Yak (Milch, Leder, Fleisch), Pferd (Milch, Transport) und Kamel (Lasttransport). Traditionelle Erzeugnisse sind Fleisch, Milch, Schaf- und Kaschmirwolle; außerdem Getreide (auf wenigen Promille der Landesfläche), Kartoffeln und Gemüse. Die Arbeit war hart, wurde aber gern gemacht. Wanderhirte war hart und undankbar, erzählte er mir.Aber um nichts in der Welt wollte er tauschen. Die Freiheit, der Ausblick und die immer neuen Landschaften waren unvergleichlich. Er hätte es schon mal ausprobiert für eine Zeit in einer kleinen Hütte am Stadtrand sesshaft zu werden, doch es sei ihm nicht gelungen. Er hatte sich eingeengt und eingesperrt gefühlt. Mit einem Lachen erzählte er, dass es ihm ohne seine Tiere und der unendlichen Weite der mongolischen Steppe an Lebensqualität fehle. Einmal Hirte immer Hirte. Es war ein sehr interessantes Gespräch.
So, nun muss ich aber wieder los. Unser Gastgeber will uns noch die Grundlagen der Verarbeitung verschiedener Produkte zeigen und erklären. Da darf ich auf keinen Fall fehlen. 
Ich wünsche euch noch ein frohes Schaffen!
Mit herzlichsten Grüßen
Eure Nadine und die Tierchen

 
 
5. Telegramm aus Alice Springs (Australien)
 

So, noch schnell einen Kaffee aus dem Automaten gezogen und in den Flughafensessel gekuschelt, Block und Stift gezückt und los ...
Wir sind am Montag Morgen pünktlich in Alice Springs gelandet. Schon am Flughafen wurden wir mit einem großem Schild Willkommen geheißen. Draußen vor der Tür stand ein alter Transporter, auf welchem hinten noch ein paar Schafe sich gesellig versammelten. Natürlich waren meine Schafe auf der Stelle und sofort begeistert und ließen sich gar nicht lange Bitten dort mit hoch zu hüpfen. Meine Sträuße waren da schon etwas zimperlicher. Sie schauten mich immer wieder pikiert an und schüttelten leicht mit ihren kleinen Köpfen auf den langen Hälsen, was mehr aussah wie ein Grashalm im Wind. Aber gut, schlussendlich habe ich sie dann doch alle wieder einmal auf den Transporter bekommen. Mit 2-stündiger Verspätung fuhren wir ab und sahen uns erst einmal einem Wirrwarr an Straßen gegenüber. Die liefen übereinander, untereinander, nebeneinander und in alle Himmelsrichtungen davon. Und so viele Schilder an einem Pfahl. Ich müsste stehen bleiben um diese alle lesen zu können. Unglaublich ... nach meiner Schätzung waren es so um die 27 Stück und ein halbes. Die andere Hälfte war umgefahren worden und somit nach hinten umgeknickt. Unser Fahrer jedoch wagte einen kurzen Blick darauf, nickte kurz, wählte an seinem Handy mit Freisprecheinrichtung herum und fuhr dann laut mit seinem Telefonpartner sprechend hinein in das Chaos. Ich hätte mir zwar eher Radio gewünscht, aber nun gut, ich war froh, dass wir die Strecke vom Flughafen bis hinaus zur Schaffarm nicht wandern mussten ... das wäre so knapp 210 Kilometer gewesen. Bei der Wärme und Sonneneinstrahlung nicht unbedingt mein Lieblingswanderweg.
Nach einiger Zeit kamen wir an den Rand der Stadt. Das sah man zuallererst daran, dass die Häuser von jetzt auf gleich einfach aufhörten. Dort noch eine Reihe Häuser, dahinter nix. Ich war sehr erstaunt. Vor uns lag eine Straße, nur eine Straße. Kein Busch, kein Auto, kein Tier, kein Baum ... nur eine Straße.
Man kann es sich kaum vorstellen, aber es ist wirklich so. Diese Straße fuhren wir entlang, Kilometer um Kilometer. Und unser Fahrer war immer noch fröhlich am telefonieren. Der ließ sich durch nichts aus der Ruhe bringen. Und plötzlich stand es da ... ein Schild, tatsächlich ein Straßenschild. Nur eines wohlgemerkt. Aber dafür ein sehr komisches. Es war Gelb, zeigte aber nicht an wie die nun (nicht) folgende Ortschaft hieß. Und darauf waren Tiere abgebildet, was natürlich meine Tierchen sehr erfreute. Unser Fahrer hielt kurz an, stieg aus, pinkelte gegen das Schild, stieg wieder ein und fuhr weiter. Kurz darauf erklärte er mir, dass wir nun ein Stück fahren würden, wo ein wenig mehr Vegetation zu finden sein würde. Ich hielt ihn für verrückt. Wurde aber eines Besseren belehrt. Tatsächlich tauchte irgendwann der erste Strauch auf, dann ein Baum, ein Grasbüschel. Ich war erstaunt. Ein Känguru hüpfte über die Straße. Sowohl meine Tierchen als auch hingen an den Fensterscheiben bzw. Gatter und staunten diesem Tier hinterher.Und dann bogen wir um eine Kurve und vor uns lag wieder - Nichts. Kein Baum, kein Strauch, kein Haus. Unser Fahrer begann am Radio herum zuspielen und plötzlich erschall ein Rauschen im Wageninneren. Kurz darauf hörte man jemanden was sagen, aber was konnte ich aufgrund der schlechten Qualität nicht verstehen. Ich erkannte aber das es kein Radio war, sondern nur ein Funkgerät. Wir fuhren weitere 40 Minuten bis ein weiteres Schild auftauchte. Und ich wollte meinen Augen erneut nicht trauen. Dort wurde vor einem reißenden Flussbett gewarnt. Aber hier war weit und breit nichts als Sand und Wind zu finden. Nichts mit Wasser.
Mein Fahrer klärte mich auf und sagte mir, dass es hier, wenn es regnete soviel regnete, dass der Boden so viel Wasser nicht auf einmal würde aufnehmen können und somit entstand an solchen Tagen hier ein reißendes Flussbett. Sehr interessant. Vor allen Dingen weil es mir klar machte, dass man hier nicht viel Farmwirtschaft betreiben konnte. Auch in diesem Land bzw. Kontinent, oder besser gesagt in diesem Landstrich lebte man also ebenfalls nur von der Viehwirtschaft. Wir bogen ab und fuhren einen leichten Abhang hinunter. Schon von weitem konnte man sie sehen. Die Schaffarm. Meine Tierchen wurden hinten unruhig. Sie freuten sich riesig endlich anzukommen. Und ich mich natürlich auch. Wir wurden mit freundlichem Winken empfangen. Sofort waren wir umringt von der Familie des Fahrers und den Hilfsarbeitern, welche sich verwundert viele meiner Tierchen anschauten. Schnell ergriff die Dame des Hauses das Wort und führte uns hinein in das große Herrenhaus. Es war angenehm kühl und der selbstgemachte Eistee, welcher schon bereitstand erfrischte zusätzlich. Kurz darauf führte man uns dann aber über die Farm. Es wurde eine lange Führung, denn alles wurde genau erklärt. Vom Schafstall bis zu Scherstation, vom Koppelzaun bis hin zur Einzäunung des kompletten Geländes, welches mehrere Kilometer umfasste, vom Rosenbeet bis hin zu den Wassertanks. Es war erstaunlich was sich hier alles so befand und wie man sich zu helfen wusste. Sogar einen eigenen Start- und Landeplatz gab es hier. Das dazugehörige Flugzeug stand im dazugehörigen Hangar. Wir wurden zu einem relativ geräumigen Gästehaus geführt wo wir uns Frisch machen konnten und dann ging es auch schon wieder zurück ins Haupthaus zum Essen. Mit einem breiten Lächeln auf den Lippen und Stolz in den Augen wurde uns Straußenfleisch serviert, welches hier als eine Delikatesse galt. Meine Sträuße waren schockiert und mokierten sich für einen kleinen Augenblick, griffen dann aber liebend gern zum frischen Salat. Man fand halt immer einen Kompromiss. Ich muss sagen, mir hat es geschmeckt, auch wenn ich es nicht jeden Tag essen könnte. Und so dümpelten die Tage dahin in der Wärme und Trockenheit von Alice Springs und Umland. Noch am heutigen Morgen bekamen wir allerdings die Schafstationen etwas näher erklärt. Wir bekamen den Weg von der Wolle zum Pulli erklärt. Einfach alles. Keine Frage blieb unbeantwortet. Unsere Gastfamilie war sehr freundlich und zuvorkommend und tat ihr Bestes um uns das Leben in der Trockenheit näher zu bringen. Es ist ihnen gelungen.
Nun sitzen wir wieder hier am Flughafen und warten darauf, dass unser Flug geht. Wohin? Wer weiß ... vielleicht zücken wir irgendwann den Fallschirm und springen dort ab, wo es uns gefällt! Mal schauen, was die Welt noch so zu bieten hat.
In diesem Sinne wünsche ich noch einen schönen Abend!

Sonnige und äußerst warme Grüße  

Eure Nadine

 
6. Telegramm aus Quilty (Irland)  
 

Dia duit mo dears!
Hallo meine Lieben aus dem frischen, grünen Irland. Ich sitze hier gerade in der leichten Brise und lasse mir die letzte Sonne des Tages auf die Nase scheinen. Meine Beine baumeln in der Luft, die Weite des atlantischen Ozeans vor mir und viele Meter Tiefe unter mir.
Bevor ich jetzt einen riesigen Schreck bekommt, ich sitze auf einer Klippe. Der Flug von Alice Springs (Austalien) hier her war sehr lang und nicht selten beschwerlich. Erst mit dem Flugzeug und dann ging es noch mit dem Zug weiter.
Aber die Reise hat sich gelohnt. Hier ist es einfach traumhaft. Die Weiden, Berge und Gärten erstrahlen in einem saftigen Grün. Der Wind roch nach Salz und Freiheit.
Viel erlebt haben wir hier noch nicht, wollen wir aber auch gar nicht. Ein bisschen die Seele baumeln lassen, das Essen genießen und original irisches Bier trinken. Die Abenteuer lassen wir Abenteuer sein. Ein bisschen Sightseeing darf natürlich nicht fehlen. Und da lässt sich sicherlich noch etwas finden.
Aber damit ihr einen leichten Überblick über diese wunderschöne Insel bekommt, haben sich meine Tierchen gar nicht lang bitten lassen und einen kleinen Vortrag vorbereitet. Lasst euch überraschen.
aus Ballyshannon: die Schafe
"Der kleine Ort Ballyshannon gilt als der älteste Ort Irlands. Das kleine Städtchen liegt direkt am Meer und ist Veranstaltungsort eines der drei wichtigsten Irish-Folk Festivals in Irland."
aus Donegal: die Schweine
"Die Hafenstadt Donegal, die der Grafschaft Donegal den Namen gibt, hat zahlreiche Sehenswürdigkeiten zu bieten. Neben dem Schloss Donegal, dem Napoleonischen Anker, der von einem französischen Schiff stammt, dessen Geschichte eng mit Donegal verbunden ist, hat Donegal auch noch ein prächtiges Altstadtzentrum zu bieten in dessen Mitte ein Obelisk in die Höhe ragt."
aus Killybegs: die Kaninchen
"Killybegs ist eine der wichtigsten Hafenstädte im Norden Irlands. Im Fischereihafen liegen zahlreiche Fischereischiffe vor Anker, die beachtliche Erträge erzielen. Große Mengen an Makrelen und Heringen werden hier gefangen und in alle Welt verschifft. Der Fischfang hat in Killybegs eine große Bedeutung und Tradition. Daher wird alljährlich ein großes Fest zu Ehren des Fischfangs veranstaltet, bei dem auch die Boote gesegnet werden."
aus Letterkenny: die Pferde
"Letterkenny ist mit über 17.000 Einwohnern die größte Stadt im County Donegal. Die Stadt, die im 17. Jahrhundert gegründet wurde, ist das wirtschaftliche Zentrum der Region und Knotenpunkt der Buslinien. Die St. Eunans Cathedral überragt das Stadtbild."
aus Cashel: die Affen
"Cashel besitzt eine der imposantesten Sehenswürdigkeiten in Irland. Auf dem Rock of Cashel befindet sich eine festungsähnliche Anlage, auf denen mehrere gut erhaltene Gebäude aus mehreren Epochen besichtigt werden können."
Ich hoffe sie konnten euch ein wenig die schönen Ecken dieser schönen Gegend schmackhaft machen. Es lohnt sich tatsächlich einen Blick zu riskieren.
Obwohl, wir mussten uns erst einmal an die Sprache und an die verschiedenen Gewohnheiten gewöhnen. Die Sprache ist manchmal der Garant für einen Zungenknoten. Das Essen ist nicht immer das Beste für den Magen ... aber das Bier das entschädigt für alles!
So, jetzt muss ich aber wieder los ... noch ein paar Fotos machen. Ihr sollt ja auch einen schönen Einblick bekommen. Naja, und der Wind wird auch etwas kühler und stürmischer. Nicht das ich hier noch von der Klippe geweht werde!
Sichere liebe Grüße  

Eure Nadine

 
7. Telegramm aus Limassol (Zypern)  
 

Ganz heimlich still und leise den Block und den Stift gezückt, schnell ein paar Zeilen verfasst und der weißen Taube mitgegeben.
Ich sollte es vielleicht erklären, ansonsten könnte es etwas komisch wirken. Also, wie fange ich am besten an? Natürlich ganz vorn, so kann es zu keinen Missverständnissen kommen.
Wir sind wie geplant vorgestern am späten Abend auf Zypern gelandet. Die Sonne schickten ihre letzten wärmenden Strahlen gen Abendhimmel und zauberte die schönsten Farbenbilder auf den Horizont. Violett, Blau, Grau, Orange, Gelb und Rot wagten zu dem leisen Zwitschern der Vögel, zu dem leisen Zirpen der Zikaden ein kleines Tänzchen. Der Wind gab den Takt vor und so wurde aus einem langsamen Walzer innerhalb von Minuten ein mitreißender und leidenschaftlicher Tango. Die Wolken wirbelten um einander herum, lockten sich, neckten sich und stießen sich gegenseitig in die entferntesten Himmelsrichtungen. Es war ein Schauspiel der ganz besonderen Art und sowohl meine Tierchen als auch ich standen gefangen vor unserem kleinen Bungalow und schauten in den Himmel. Nur wenige Meter von uns entfernt lag die Klippe hinunter zum Wasser. Wir konnten die Wellenbrandung hören, das Salz riechen und sogar leicht auf unseren Lippen schmecken. Die großen Kiefern und Zypressen wiegten sich im lauen Wind und sandten harzig, würzige Dufte an ihre Umwelt. Die Möwen drehten ihren letzten kreischenden Kreise bevor sie sich zur Nachtruhe begaben. Es war, als würde für mich ein Traum in Erfüllung gehen und das ohne, dass ich Angst haben musste er würde im nächsten Moment wie eine Seifenblase zerplatzen. Ich fühlte das trockene Gras unter meinen nackten Füßen, ich konnte das Meer schmecken, ich konnte die Abendstimmung fühlen und ich konnte die vielen kleinen Lichter des etwas entfernten Örtchens sehen. Mit diesem Gefühl der Zufriedenheit drehten wir uns bei Einbruch der Dunkelheit um und liefen in den Bungalow zurück.
Noch wenige Minuten saßen wir an diesem Abend beisammen und reflektierten die vergangenen Tage, die vergangenen Reise. Wir schauten uns die vielen Fotos an, lachten über die verschiedensten Grimassen und sannen über die schönsten Plätze nach. Was hatte uns zum Lachen gebracht? Was hatte uns zum Nachdenken gebracht? Was hatte sich gelohnt? Was nicht? Wir gingen alle mit einem seligen Lächeln ins Bett.
Geweckt wurden wir von kitzelnden Sonnenstrahlen auf unseren Nasen. Ich drehte mich murmelnd zur Seite und mein Blick fiel auf die bereit stehende Uhr. Es war früh am Morgen. Die Uhr zeigte kaum 9:00 Uhr an. Der perfekte Moment um sich aus den Feder zu quälen und ein wenig die morgendliche Ruhe an den Klippen zu genießen. Meine Tierchen schliefen noch tief und fest. Aus allen Ecken und Enden hörte ich noch ihr lautes Schnarchen. Auf leisen Sohlen schlich ich mich in die Küche, machte mir einen warmen und frischen Tee. Mit der Tasse in der Hand lief ich über das kleine Rasenstück, welches noch feucht vom Tau der letzten Nacht war, bis hin zur Klippe über welcher schon wieder die Möwen ihre Kreise zogen. Die ersten Segler waren schon auf dem Weg vom Hafen auf das offene, wilde Meer. Die Wellen zeigten wie majestätisch sie waren, sie trugen ihre Schaumkronen zur Schau wie Schönheitsköniginnen ihre Kleider und Diademe. Und die Boote schaukelten auf ihnen wie kleine Nussschalen in einem Wasserglas. Und genau das war es was ich erleben wollte. Ich wollte dem Meer ausgeliefert sein, mit ihm eine Zusammenarbeit eingehen. Wenn du mir hilfst so helfe ich auch dir! Mit schnellen Schritten rannte ich ins Haus und trommelte meine Tierchen aus den Betten. Schlussendlich standen sie vor mir, alle mit verschlafenen Augen und in blau, weiß, rot gekleidet! Sie sahen schnieke aus, ich hatte sie kaum wiedererkannt. Laut vor mich hinsummend und mit einem breiten Lächeln auf den Lippen ging ich voraus. Unten im Dorf angekommen wurden wir von Reizen nur so überflutet. Kaffeegeruch, bunte Tücher und an jeder Ecke wurde musiziert. Die weißen Wände strahlen in der Sonne, die blauen Dächer unterschieden sich kaum von der Farbe des Meeres. Wie eine halbe Armee liefen wir den mit Kopfsteinpflaster bedeckten Weg hinunter zum Hafen in welchem die Segel- und Fischerboote fröhlich vor sich hinschaukelten. Alles war in Aufbruchstimmung. Alles bis auf die Fischer, die kamen gerade von ihren Fanggründen zurück und verstauten die stinkende Ladung in kleinen Kisten, damit diese auf den Markt gebracht werden konnten. Überall im Becken schwammen Seetang und andere Meeresübliche Dinge umher. Ein nicht gerade einladender Anblick zum Schwimmen. Wie gut, dass wir nur ein Segelboot haben wollten. Und wir bekamen es recht schnell. Ein Fischer sprach uns an und vermittelte uns eine wie er sagte "kleine Nussschale" für Anfänger. Wir stiegen hinein, gewöhnten uns schnell an das Wackeln und schipperten los. Verließen den sicheren Hafen und sahen uns der tosenden Gewalt des Meeres gegenüber. Die Wellen schickten salzige Tropfen zu uns. Sie sollten uns erzählen, welche Macht in ihnen steckte, wenn sie sich vereinten. Es war sowohl ein Versprechen als auch eine Drohung. Ich hielt mich genau an die Instruktionen, welche wir vom Kapitän bekommen hatten. Und so segelten wir immer an der Küste entlang.
Zerklüftete Felswände, am Steilhang wachsende Kiefern und Zypressen, die reinste Blütenpracht in den schönsten Farben, kleine Dörfer in einer Kombination aus Weiß, Blau und Terrakotta.
Doch dann kam es! Lautlos glitt es über die Wellen, majestätisch und furchterregend zugleich. Schon von weither konnte man das Grölen und Brüllen hören. Die schwarze Flagge flatterte beunruhigend im Wind. Meine Tierchen eben noch fröhlich schnatternd waren nun augenblicklich still, ja sie rührten sich ja noch nicht einmal. Der Wind ebbte plötzlich ab, so als hätte ihn jemand abgestellt. Die Möwen hörte auf zu kreischen. Eine beängstigende Stille trat ein. Nichts rührte sich und doch rauschte das Schiff unaufhörlich auf uns zu.Und ehe ich mich versah waren wir umzingelt von schreienden Männern, welche stinkend und spuckend unsere kleine Nussschale enterten. In alten, zerrissenen Hosen, einige mit Hemd andere im T-Shirt hielten sie uns fest während sie unsere wenigen Habseligkeiten durchwühlten, als wären sie Verdurstende auf der Suche nach einem Schluck Wasser. Wir verstanden ihre Sprache nicht, wir waren starr vor Angst. Nach und nach, Stück für Stück wurden wir auf das große Schiff aus schwarzem Holz verfrachtet. Ja verfrachtet trifft es ganz gut, denn mehr waren wir für sie nicht - nur Stückgut, welches von A nach Z gebracht werden musste und das mit dem geringsten Aufwand und Widerstand. Die Angst stand in unseren Gesichtern geschrieben und sie konnten es lesen. Piraten! Es schoss mir in den Kopf wie eine Kugel aus ihren glänzenden Pistolen und Musketen. In welchem Jahrhundert waren wir? Während unsere kleine Nussschale davon dümpelte wurden wir gefesselt. Unsere Hände auf dem Rücken, den Rücken an der Schiffswand wurden uns die Augen verbunden. Meine Tierchen wimmerten vor Angst und in mir sah es nicht anders aus. Die Möwen begannen wieder leise zu kreischen, die Wellen schwappten gurgelnd gegen den Rumpf. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit bis wieder geschäftiges Treiben eintrat. Alle rannten hin und her, Silben und Wörter wurden gebrüllt. Es rumpelte und dann standen wir. Keine Wellen waren mehr zu hören, dafür vermehrt die Möwen über uns. Wir wurden auf die Füße gerissen, die Augenbinden wurden wieder abgenommen und wir standen vor einem kleinen Tor hinter welchem ein kleines Dorf aus Stein seinen Standort gefunden hatte. Man konnte über die Mauer hinweg einen kleinen Kirchturm erkennen, in welchem nun oben eine Frau stand und die Glocke schwang. Ihr karierter Rock schlug im auffrischenden Wind um ihre Beine. Die enge schwarze Bluse betonte ihre schlanke Figur. Die schwarzen, langen Locken umspielten ihr Gesicht wie dunkle Flammen. Auf ihren blutrot geschminkten Lippen lag das wissende Lächeln auf Hoffnung und Besserung. Das Geläut war weit über die Grenzen hinaus hörbar. Die Männer waren heimgekehrt. Mit Schätzen, Alkohol und Nahrung ohne Punkt und Komma. War das nicht so bei Piraten? Wir wurden vom Schiff gebracht, balancierten über eine mehr als nur schmale Planke. Die Sonne begann schon wieder unterzugehen. Man schubste uns durch das Tor hindurch, wir stolperten über den kleinen Vorplatz der Kirche bis zu einem großen Klotz an Gebäude. Die Tür wurde geöffnet, wofür mehrere Schlüssel von Nöten waren und ein dunkler Mann mit schwarzer Kleidung und schwarzem Kopftuch nahm uns in Empfang. Die Treppen, welche wir hinunterschlidderten waren kalt und ungleichmäßig. Die Enge verursachte uns Platzangst. Eine erneute Holztür wurde geöffnet und wir wurden in einen Raum mit einem Tisch, mehreren Stühlen und Betten hineingeschubst. An den Wänden brannten Öllampen. Sie verströmten einen tranigen Geruch, die Wände rochen feucht und nach Schimmel. Wir sahen weder die Tageszeit noch wussten wir die Uhrzeit.
Und so sitzen wir hier nun und harren der Dinge die dort noch kommen mögen. Im 21. Jahrhundert und von Piraten gekapert. Womit hatten wir das nur verdient. Mal schauen wie wir uns hier draus befreien können. Es wird schon werden und wenn wir dann frei sind, dann reisen wir ganz schnell ganz weit weg von dieser malerischen Insel mit ihren kriminellen Einwohnern ... naja zumindest die aus dieser kleinen Stadt.
Bis dahin wünsche ich euch noch einen schönen in Freiheit zu genießenden Tag! 

Eure Nadine

 
 
 
8. Telegramm aus Mont St. Michel (Frankreich) 
 

Wartet einen Augenblick ... ich muss mich noch mal eben schnell in meine Parzelle verkriechen! So, jetzt noch schnell Block und Stift gezückt und dann mal los ...
Man, sind wir erschöpft. Gerannt sind wir, einfach nur gerannt. Einige schneller andere weniger schnell, was dazu führte, dass wir immer wieder kleine Stops einlegen mussten um auf Nachzügler zu warten. In den tiefsten Wäldern, auf den höchsten Bergen, in den dunkelsten Höhlen und in den verwinkelten Gassen haben wir uns versteckt gehalten.
Wir sind gefahren, gelaufen, geradelt, Ski gefahren und geschwommen. Aber wir haben es geschafft, nun sind wir in Sicherheit! Aber ihr pocht sicherlich alle darauf zu erfahren, wie wir uns aus unserem Gefängnis befreien konnten, nicht wahr? Jaha, das will ich euch natürlich nicht vorenthalten!
Wir haben ungefähr 5 Stunden in unserem Kerkerraum ausgehalten. Dann ließ die Angst bei meinen Tierchen nach und die Langeweile kam durch. Ich hatte mich auf meinen Bretterhaufen von Bett gesetzt und gegrübelt, wie wir uns aus dieser Misere mal wieder befreien könnten. Aber so sehr ich auch darüber nachdachte und kleine Rauchwölkchen gen Decke schickte ... mir wollte einfach nichts einfallen. Steine und Eisen konnte man ja mal nicht eben einfach so weg pusten. Immerhin waren wir hier nicht bei den "Die Drei Schweinchen und der Wolf", sondern wir waren bei den Piraten auf Zypern. Naja und während ich da so vor mich hingrübelte, versuchten sich die Tierchen natürlich ihre Zeit etwas zu vertreiben. Sie zählten die auf dem Boden liegenden Strohhalme und spielten damit Mikado und ähnliches. Meine Affen versuchten daraus kleine Körbe und Strohsternchen für den Weihnachtsbaum zu knüpfen. Alles verlief friedlich, bis ... ja bis eine kleine Maus auftauchte und uns aus kleinen verächtlichen Augen anschaute. Meine Affen begannen zu quietschen und meine Elefanten drehten vollkommen durch. Die haben im Kreis Anlauf genommen und versuchten ihr immer wieder auszuweichen, doch da es nicht wirklich gelang sind sie dann irgendwann nur noch geradeaus gerannt. Ab durch die Wand, welche bei dem Gewicht nicht wirklich standhielt. Sie zerfiel in ihre einzelnen Steine und meine Elefanten purzelten ins Mittelmeer hinein. Ein Loch! Wir hatten tatsächlich ein Loch in die Wand bekommen. Ich war sprachlos. Und meine restlichen Tierchen und ich standen immer noch total erstaunt im Loch, während meine Elefanten mit einem Affenzahn durch die Wellen fegten. Meine Affen sprangen plötzlich hinterher und in null Komma nichts hatten wir uns alle in die Fluten gestürzt. Gerade noch rechtzeitig, denn der laute Knall war natürlich nicht unbemerkt geblieben. Kaum waren wir abgetaucht erschienen die Piraten an der Stelle, wo nur Sekunden zuvor noch wir gestanden hatten. Sie schimpften laut miteinander, gaben sich gegenseitig die Schuld und vergaßen dabei ganz und gar uns zu verfolgen. Wieder einmal hatten wir mehr Glück als Verstand gehabt.
Naja und dann begann unsere Odyssee durch viele Länder. Leider hatten die Piraten ja ein Schiff und verfolgten uns dann recht schnell damit. Wir waren nie sicher. Wir hielten uns immer bedeckt, liefen oder radelten meist erst dann los, wenn es dunkel wurde. Wir gönnten uns kaum Pausen und kamen total ausgelaugt und erschöpft an einem Kloster in Frankreich an. Einige Benediktinermönche kamen uns schon entgegen. Sie hatten uns angeblich schon längere Zeit beobachtet wie wir über die Ebene gerannt waren als wäre der Teufel persönlich hinter uns her. Sie jedoch trieben uns ebenfalls zur Eile an, denn der Weg hinüber zum Klosterberg war nur für wenige Stunden am Tag zugänglich. Immer wenn die Flut einsetzte wurde der Damm hinüber überspült und war somit nicht mehr zu passieren. Zwei Nonnen eilten voraus, während die Mönche penibel darauf achteten, dass auch keiner von uns zurückblieb. Auf dem Berg angekommen wurden wir durch ein Labyrinth von Gängen und Treppen hinauf in das Kloster geführt. In der großen Halle herrschte geschäftiges Treiben. Mir fielen beinahe die Augen aus dem Kopf. Und wenn ich so meine Tierchen anschaute ging es ihnen nicht anders. Aber ob es nun eine positive oder eine negative Überraschung bei ihnen war konnte ich weiß Gott nicht sagen. Es gab eine riesige Holztafel und Holzbänke. Darauf stapelte sich allerdings das prächtigste Essen. Doch noch war nicht die Zeit zum Essen gekommen. Wir wurden erst einmal aufgeteilt. Die Weibchen mussten mit den Nonnen wieder hinunter ins Nonnenhaus und die Männchen blieben oben bei den Mönchen in der Abtei. Jeder bekam seine eigene Parzelle zugewiesen, denn hier legte man größten Wert darauf, dass jeder für sich blieb und seinen eigenen Gedanken nachhängen konnte. Die Einsamkeit sollte uns lehren die wenigen Stunden der Gemeinsamkeit schätzen zu lernen. Wir konnten in unseren Parzellen lesen, schreiben, sticken oder einfach nur schlafen. Oder wir genossen draußen die schöne Sonne und den würzigen Wind bei Gartenarbeit. Denn wenn wir uns schon draußen im Innenhof aufhielten, dann konnten wir laut Ansage der Nonnen auch gleich mit anpacken. Meine Tierchen und ich zuckten mit den Schultern und machten uns an die Arbeit, auch wenn wir eigentlich schon erschöpft genug waren. Erst den langen Törn hier her und dann Trepp auf, Trepp ab und nun auch noch im Garten schuften. Es blieb uns aber leider nichts anderes übrig. Jeder bekam ein anderes Gartenwerkzeug in die Hand und dann erschall die Glocke. Wir mussten anfangen, durften uns aber während der Arbeit nicht unterhalten. Vielmehr sollten wir beten und Gott dafür danken, dass er dieses Jahr eine solch gute Ernte beschert hatte. Ich verdrehte meine Augen leicht und war froh, dass die Nonnen es nicht sehen konnten da ich immer in Richtung Erde schaute. Eine zweite Glocke erklang, wir gaben die Geräte wieder ab und schlurften den Nonnen hinterher in den Essenssaal. Auch hier fand man Holztische und Holzbänke ... nur das reichhaltige Essen fehlte hier. Anfangs war ich schockiert und kurzfristig überlegte ich, ob es angebracht und nützlich für uns wäre, wenn ich fragen würde, ob wir nicht zum Essen hoch zu den Mönchen gehen würden. Ich ließ es bleiben. Dafür bekamen wir eine Schale mit Salat, ein Teller mit Brot und Lavendelbutter vor die Nase gestellt. Dazu gab es aber den feinsten Wein, welchen ich bis dato gekostet hatte. Nach dem Brot gab es dann noch einen Hauptgang und unsere Augen begannen zu glänzen vor Freude. Nach Tagen endlich wieder was richtig feines zu Essen zu bekommen war schöner als in jedem Traum und schmeckte besser als je zuvor. Es gab Hühnerbrust gefüllt mit Spargel, dazu frische Bohnen und Kartoffeln. Und zum Nachtisch reichte man uns dann eine Auswahl an Käse. Wie wir erfuhren um den Magen zu schließen. Dazu gab es immer einen anderen Wein, welcher vorzüglich zum jeweiligen Gericht passte. Nach dem Essen wurden einige von uns zum Abwasch abkommandiert, die anderen mussten sich in ihre Parzellen begeben und beten. Wir sollten uns erneut bei Gott bedanken. Naja, anstatt mich nun zu bedanken schreibe ich euch lieber wie es uns hier so geht. Oh ... jetzt muss ich aber aufhören, die Mutter Oberin kommt gerade herum und kündigt die Nacht an. Ich muss mich beeilen.

Bis dahin und salutations  

Eure Nadine

 
 
9. Telegramm aus Nassau (Bahamas)
 

So, noch schnell die Sonnenbrille auf die Nase gesetzt, Block und Stift gezückt und los ...
Ihr wundert euch bestimmt, warum wir so plötzlich die sichere Burg, unser Kloster verlassen haben und nun an einem der schönsten Strände sitzen, der je gesichtet wurde, oder?
Tja, wir wurden aus dem Kloster geschmissen! Ja, ihr habt richtig gelesen ... wir wurden wirklich vor die Tür gesetzt. Meine Tierchen haben sich benommen wie die Berserker. Nächtlicher Hunger hatte sie dann schlussendlich doch in den wohlriechenden Klostergarten gelockt. Dort haben sie ihren Gelüsten freien Lauf gelassen. Alles, aber auch wirklich alles musste einmal probiert werden. Die Äpfel, die Birnen, die Kräuter und Gewürze, die Gurken ... eigentlich jedes Gemüse was sich anfinden ließ. Sie kauten genüsslich vor sich hin, legten sich auf alles was noch stand und verschwanden dann wieder klammheimlich in ihren Parzellen. Kurz darauf drangen auch schon wieder laute Schnarchgeräusche durch die Gänge.
Der Schrei am nächsten Morgen war wirklich markdurchdringend. Ich stand senkrecht im Bett, mein Herz schlug gefühlte 500 Mal in der Sekunde und auf dem Kopf sah ich aus wie ein geplatztes Sofakissen. Ich sprang von der Matratze, schlüpfte - übrigens noch immer in ein Nachthemd gekleidet - in meine Schlappen und rannte auf den Gang. Hier war alles ruhig und eben das machte mich schon leicht nervös. Sonst waren meine Tierchen immer die ersten die auf den Beinen waren wenn es auch nur annähernd in die Richtung Frühstück ging. Ich hörte ein lautes Fluchen und folgte den Worten, welche ich hier nicht wiederholen möchte. Ehe ich mich versah, stand ich einer fuchsteufelswilden Nonne gegenüber. Diese gestikulierte wild mit ihrem Zeigefinger vor mir, während sie mir silbenweise versuchte zu erklären, was hier in der Nacht anscheinend passiert war. Sie zeigte auf ihre Uhr und machte mir deutlich, dass sie so ein Vergehen nicht würde durchgehen lassen und das wir genau zwei Stunde Zeit hätten dieses Kloster zu verlassen. Ich trommelte meine Tierchen zusammen und gemeinsam, mit geschultertem Gepäck liefen wir über den Damm, welcher nur Sekunden nach unserem Überqueren wieder von Wellen überspült wurde. Einen Weg zurück gab es nicht mehr. Störte uns aber auch nicht. Die Piraten waren sicherlich schon längst wieder zurück zu ihren Familien gekehrt. Uns drohte also keine Gefahr mehr. Wir zogen eine Karte hervor und steuerten auf den nächstbesten Flughafen drauf zu. Nach den stressigen Tagen brauchten wir dringend ein wenig Urlaub.
So standen wir einige Stunden später vor den großen Anzeigetafeln des Flughafens und wählten mit geschlossenen Augen ein Ziel aus. Innerlich hofften wir alle, dass es nicht schon wieder in kalte Gefilde gehen würde. Aber zu unserem Glück hatten wir Glück und der nächste Flieger ging direkt auf die Bahamas.
Sonne, Strand, Cocktails und Meer! Wir konnten es kaum erwarten. Der Flug war ruhig, beruhigend ruhig. Und als die nett lächelnde Stewardess uns über Lautsprecher ankündigte, dass wir soeben die Bahamas erreicht hatten und nun bald landen würden. Der Blick aus dem Fenster war wirklich einzigartig. Viele kleine Inseln, weiße Strände, hell- bis tiefblaues Meer. Uns fielen die Augen beinahe aus dem Kopf. Unter den seichten Wellen, welche vor sich hindümpelten, erkannte man die vielen Riffe mit den bunten Korallen. Ich bekam sofort Lust zu tauchen. Da unten gab es eine neue Welt die erkundet werden wollte - von mir.
Die Landung war beinahe nicht zu spüren, die Fahrt zum Hotel wirklich minimal kurz und der Weg zum Strand vorprogrammiert.
Die Palmen warfen leichte Schatten und ihre Wedel hießen uns Willkommen, der laue Wind strich um uns herum ,schien uns beinahe streicheln zu wollen. Unsere Füße versanken im warmen Sand und das Meer schickte einen Geruch nach Salz und Algen über die Ebene.
Meine Tierchen waren sofort in sämtliche Richtungen verstreut. Sie spielten Volleyball, Federball, bauten Sandburgen oder aalten sich in der Sonne nachdem sie sich gegenseitig mit Sonnencreme einbalsamiert hatten. Nur meine Schweinchen .. ja meine Schweinchen, die sprangen sofort in die Fluten und paddelten fröhlich von einer zur nächsten Welle. Zwischendurch tauchten sie ab und woanders wieder auf. Sie übten Rückenschwimmen, Kraulen, Brust und Schmetterling. Alles Schwimmarten und nicht jede wollten ihnen auf Anhieb gelingen. Ich saß in der Brandung, schauten ihnen lachend zu und ließ die Sonne warm auf mich hinabstrahlen. Die Wellen umspülten mit all ihrer noch vorhandenen Macht meine Füße. Sie malten Spuren in den Sand und legten wahre kleine Schätze frei. Muscheln in einer unendlichen Vielfalt, in den schönsten Farben und den abwechslungsreichsten Größen.
Der Wind spielte mit meinen Haaren und lockte mich. Ich konnte seinem Rufen nicht widerstehen. Schnell schnappte ich mir meine Tauchsachen und verschwand in den warmen Fluten. Die Bilder die sich mir boten raubten mir den Atem. Bunte Korallen wogen in der leichten Strömung. Die Fische, groß und klein spielten um sie herum Fangen, Verstecken und was sich noch so anbot.
Ich hatte das Gefühl, ich müsste nur die Hand ausstrecken und würde alles für immer festhalten können. Meine Augen suchten und fanden, sie konnten sich nicht satt sehen an den Farben und Formen. Man konnte kaum glauben, dass es so eine Welt hier unten gab. Eine ganz eigene Welt nur für sich, geschützt durch die mal sanften, mal reißenden Fluten des Meeres. Es hatte den Anschein, als würde sie niemand stören oder gar zerstören können. Wie sehr man sich doch täuschen konnte. Menschen waren mittlerweile zu allem fähig und ihre unersättliche Gier nach Allem und Jeden würde auch vor den hier versteckten Paradiesen nicht Halt machen. Ich ließ das Riff hinter mir und sah in die unendliche Weite des Ozeans hinaus. Unglaublich, was sich dort alles tummelte. Die Gefahr war so nah und doch so fern. Sie wirkte plötzlich alles andere als gefährlich. Haie, Wale, Fische und Krebse ... alle waren sie irgendwo Feinde und doch Freunde. Zwei Delphine kamen auf mich zu und schwammen um mich herum. Sie waren so nah, dass ich den Schalk in ihren Augen erkennen konnte. Sie stupsten mich an, kniffen mich in die Oberschenkel und in die Füße. Sie schoben mich weiter hinaus auf das offene Meer und holten. Und ohne das ich es erklären konnte erfasste mich eine Panik. Mein Herz wurde schneller und schneller, ich hatte das Gefühl eine Hand legte sich um meine Kehle und schnürte mir die Luft ab. Das offene Meer, so weit. Man konnte dort über Bord gehen und niemand würde einen je wieder finden. Ich wollte nicht als eine der vielen Anonymen zurückbleiben. Die Delphine schienen es zu spüren. Sie stupsten ihre Nasen unter meine Fußsohlen und schoben mich zurück in Richtung Strand. Kurz davor stieß ich aus den Wasser. Es war ein Gefühl von Freiheit. Ich breitete meine Arme aus und schien zu fliegen. Mit einem lauten Lachen verschwand ich wieder unter der Wasseroberfläche. Die Delphine schwammen noch zwei Runden um mich herum, ließen es zu, dass ich ihnen über den Rücken streichelte und verschwanden dann wieder in den unendlichen Weiten des Wasser. Ich paddelte gemütlich und ohne Hast zurück zum Strand und ließ mich dort in den warmen Sand fallen. Und dort lag ich, bis meine Kühe mit einem Cocktail und frischen Früchten vorbei kamen.
Und nun sitzen wir hier und genießen die laue Luft und den nahenden Abend.
In diesem Sinne wünsche ich euch alles Liebe und entspannte Tage. 

Eure Nadine   

10. Telegramm vom oberen Giglachsee (Österreich) 

 

Hallo meine Lieben!
Da bin ich wieder! Man man man, was für ein Törn ... das mach ich nie wieder. Ihr glaubt mir nicht? Schüttelt ruhig mit euren Köpfen ... ihr müsst ja auch nicht mit meinen Tierchen wandern. Aber jetzt noch mal ganz in Ruhe und vor allen Dingen von vorn. Nicht das die Gefahr besteht, dass ihr nicht mehr so wirklich mitkommt.
Wir waren ja zuletzt auf den Bahamas und haben uns mal so richtig und sehr ausgiebig die Sonne auf den Bauch scheinen lassen. Es wurden uns Cocktails gebracht noch bevor uns der Wunsch nach einem dieser leckeren Cocktails überhaupt in den Sinn kam. Das Essen stand zu jeder Zeit vor unserer Nase man musste nur den Finger bewegen. Gegen einen kleinen Aufpreis gab es sogar Leute die einem das Essen in den Mund gesteckt haben ... nur kauen musste man dann noch selbst.Aber so auf Dauer wird es ganz schön langweilig. Immer nichts tun ist nichts für mich. Irgendwann war mir sogar das Schwimmen zu drömmelig und somit hatte ich schnell einen Entschluss gefasst. Ich änderte die angestrebte Planung und entschied, dass wir anstatt nach Johannisburg zu fliegen in den Bergen Österreichs wandern werden. Hätte ich diesen Einfall doch bloß nie gehabt ...
Wir ließen uns also am folgenden Tag wieder zum Flughafen bringen, bestiegen dort ein nicht ganz so Flugtauglich aussehendes Gefährt und ließen uns über den großen Ozean, welcher leicht aufgewühlt unter uns dahinwellte nach Österreich bringen. Wir landeten in Salzburg mit leichter Verspätung, was aber nur daran lag, dass wir in Nassau auch mit leichter Verspätung losgeflogen waren. Ihr fragt euch warum? Naja, habt ihr schon mal versucht Elefanten und Kühe in Flugzeugsitze zu quetschen? Habt ihr schon mal Streitereien zwischen Bienen und Fischen schlichten müssen, weil alle gern am Fenster sitzen wollten? Das kann ganz schön dauern. Aber nun gut, wir waren also in Salzburg angekommen. Von dort aus haben wir uns dann einen Wagen gemietet. Obwohl Wagen ist eigentlich nicht ganz richtig. Ich habe einen kompletten Bus mit Anhänger gemietet.
Es hätte sonst zu argen Platzproblemen kommen können. Den Anhänger haben wir also mit dem Gepäck gefüttert und die Tierchen haben es sich im Bus bequem gemacht. Die Elefanten haben sich verteilt, die Sträuße saßen vorne auf der Treppe, damit sie keine Probleme mit den Hälsen bekamen. Die Pferde haben es sich auf der Rückbank bequem gemacht und die Bienen haben sich samt Enten in den Gepäckfächern über den Sitzen schlafen gelegt. Naja und meine Fischlies haben es sich dann in der Toilette im gefüllten Waschbecken gut gehen lassen. Dank meines nicht immer ganz gekonnten Fahrens in den Serpentinen konnten meine Fische sogar zeitweise surfen solche Wellen entstanden im Waschbecken. Und so ging es dann vom Salzburger Flughafen nach Obertauern. Dort stellten wir den Bus auf einen öffentlichen Parkplatz und machten erst einmal genüsslich Pause. Es gab Leberkässemmeln mit gutem Senf und dazu ein richtig frisches Bier. Zum Nachtisch holte ich dann die gute Sachertorte aus dem Bus und verteilte sie gerecht auf alle ... nur leider vergaß mich selbst dabei. Gut dann halt nicht.
Und nach der Pause ging es dann ohne Widerrede los. Jeder schulterte seinen kleinen Rucksack, zog die Wanderstiefel über und stellte sich in einer Reihe auf. Die Wanderwege waren nicht die breitesten und ein wenig überkam mich die Panik. Am liebsten hätte ich ihnen noch ein Seil gegeben, an welchem sie sich hätten festhalten können. Aber sie sollten nicht das Gefühl eines Kindergartenausfluges bekommen. Ich gab das OK und los ging die Völkerwanderung. Zuerst einmal gingen wir durch Wald und Wiesen bis hinauf ins Taurachtal. Das Problem dort: Es lag Schnee! Und natürlich konnte ich meine Tierchen nicht davon abhalten sich eine kleine Schneeballschlacht zu leisten. Andere bauten Schneemänner oder fabrizierten Schneeengel. Meine Sorge galt aber eher dem Wetter. Denn zum einen wurde es langsam Abend und zum anderen zogen dunkle Wolken auf. Und jeder weiß, wie schnell sich das Wetter im Gebirge ändern kann. Ich trieb sie also an. Und Gott sei Dank hatte ich sie einigermaßen gut erzogen ... mit einem leisen Grummeln zogen sie widerwillig weiter. Ihre Schnuten die sie dabei zogen waren göttlich. Wir liefen schnell weiter, doch die Wolken waren noch schneller. Innerhalb von wenigen Minuten waren wir in dicken Nebel getaucht und kleine Regentropfen à la Niesel fielen gen Boden. Zu unserem Glück, wie sollte es auch anders sein, kamen wir an der Seekaralm vorbei. Dort wurden wir mit offenen Armen und einem freundlichen Lächeln empfangen. Ich fragte natürlich sofort nach Zimmer für die Übernachtung. Es wurde nur abgenickt und wir in die Gaststuben geführt. Die Wirtin hatte schon für Verpflegung gesorgt und eigentlich hatte sie am heutigen Tage auch mit mehr Wanderern gerechnet. Das Wetter war gut gewesen ... vielleicht nur etwas zu warm. Sie zuckte nur mit den Schultern und rief uns zum großen Kessel in welchem es leise blubberte. Ein leckerer Duft trieb uns das Grummeln die Magengegend. Hier unsere Speisekarte für den Abend:

Vorspeise:
Brotsuppe mit frischer Petersilie

Hauptspeise:
Gebratener Honigfasan mit Erdapfelknödl und brauner Sauce

Dessert:
Topfenstrudel mit frischen Früchten

Klingt das nicht göttlich? Und genauso hat es auch geschmeckt. Nach dem Essen sind wir nur noch kugelrund, gesättigt und sehr glücklich ins Bett gefallen. Am nächsten Morgen ging es dann nach einem erfrischenden Bad im sehr frischen Quellwasser, einem guten Frühstück und einer winkenden Verabschiedung weiter in Richtung hohe Berge. Die Wanderung führte uns über Stock und Stein. Anfangs wieder durch Wald gelaufen kamen wir mit jedem Schritt in kargeres Gelände. Umso höher wir kamen umso weniger Bäume und Sträucher kamen uns entgegen. Wir überquerten einen kleinen Hügel und ließen uns dann eine lange und große Wiese mit saftigem grünen Gras hinunterkullern. Doch während für meine Tierchen unten eine freudige Überraschung auftauchte, kam für mich der riesige Schreck. Herzinfarktgefahr!!! Ich kullerte und kullerte und kullerte und kam dann neben einer ziemlich überrascht dreinschauenden Kuh zum liegen. Ich lächelte sie leicht nervös an, winkte kurz zum Gruße, sprang dann auf und entfernte mich soweit von ihr, dass ich einen genügenden Sicherheitsabstand zwischen uns gebracht hatte. Aber wieder einmal mussten wir eine kleine Zwangspause einlegen, denn natürlich mussten sich meine Kühe mit den dort grasenden Kühen erst einmal austauschen. Ich ließ sie machen und schaute mich um. Es war traumhaft. So ruhig, man hörte nur das leise Rauschen eines naheglegenen Baches und das Zirpen und Summen einiger Insekten ... obwohl, es konnten auch meine Bienen sein. Ich war mir da nicht so ganz sicher. Im Hintergrund thronten die grauen Riesen und zeugten von ihrer Macht. Zwischen den Kühen entstand ein kleiner Trouble ... obwohl ich nicht wusste wodurch. Und ehe ich mich versah stampften sie an mir vorbei. Gut, dann ging es halt weiter. Wir wanderten über Brücken, schmale Stiege, kleinen Wegen und über Felsen bis hin zum Zielort. Und eigentlich sollte man ja meinen, dass die Laune steigt wenn man dem Ziel näher kommt ... aber falsch gedacht. Bei meinen Tierchen hielt es sich gegensätzlich. Die Laune sank mit jedem weiteren Meter. Und da kam eine lange Liste an Maulern und Flüchen zutage.
Hier eine kleine Auswahl:
1. Ich kann nicht mehr!
2. Ich habe eine Blase an der Hufe!
3. Ich habe Hunger!
4. Wenn wir nicht sofort anhalten, dann halte ich solange die Luft an bis wir eine Pause machen!
War ich froh, dass wir nun doch recht schnell unseren Zielort erreichten. Eine kleine Holzhütte zwischen dem oberen und dem unteren Giglachsee!Traumhafter Blick, traumhafte Kulisse und ein paar sehr entspannte Tage nach der Wanderung. Auch meine Tierchen beruhigten sich schnell wieder und verteilten sich in alle Himmelsrichtungen. Ich hingegen lümmelte mich mit einem Buch und Musik auf den Ohren ins Gras ...
zumindest solange bis das nächste Gewitter über uns hereinbrach. Von jetzt auf gleich fielen dicke Tropfen vom Himmel, ein böiger Wind fauchte über den See und ein Donnergrollen nach dem nächsten rollte über uns hinweg. Wir zogen uns in die Hütte zurück und ich begann Gesellschaftsspiele hervorzukramen. Und während meine Tierchen am großen Tisch miteinander spielten sorgte ich für die Verpflegung.
Und damit hier nicht doch noch was anbrennt muss ich auch weiter aufpassen.
In diesem Sinne wünsche ich euch noch einen schönen und entspannten Tag! 

Eure Nadine  

11.Telegramm aus dem Regenwald (Ecuador)

 

Sodala, da bin ich wieder! Nur noch schnell samt Block und Stift auf die hohe Schaukel (15 Meter über dem Waldboden) schwingen und dann kann es auch schon losgehen. 
Wir haben uns von den Bergen verabschiedet. Auf die Dauer bekam die frische Bergluft meinen Tierchen nicht. Einige haben sich eine Erkältung eingefangen, andere wiederum einen Husten. Und was hilft besser gegen Fieber, Schnupfen, Heiserkeit als der Ortswechsel in wärmere Gefilde. Und genau den haben wir vollzogen. Aber natürlich haben wir nicht die erholsame und leichte Variante gewählt. Nein, diesmal wollte ich das Abenteuer erleben. Ich wollte die kühle Luft an meiner Nase spüren, ich wollte weit oben sein und die Freiheit spüren. Und was bietet sich dabei besser an als ein Fliewatüüt! Was? Ihr wisst nicht so genau was ein Fliewatüüt ist? Kein Problem, es gibt eine ganz einfache Erklärung. Man nehme eine Art Kanu für zwei oder auch viele Personen und binde mit Band am Heck des Kanus einen Propeller an! Das war jetzt die einfache Art und Weise und so ungefähr kann man es sich vorstellen ... natürlich gibt es ein Foto, meine Enten konnten sich nicht zurückhalten und mussten die Konstruktion fotografieren um allen klar zu machen, dass es solch ein Fluggefährt auch wirklich gibt. Und mit diesem Fliewatüüt sind wir dann aufgebrochen. Und welch Glück wir hatten begann gerade die große Reise der Vögel gen Süden und so haben wir uns vollkommen überraschten Gänsen angeschlossen. Anfangs waren die alles andere als begeistert, dass wir uns in ihrer Mitte einnisteten. Doch nach und nach wussten sie dann unseren Windschatten sehr zu schätzen. Dort konnten sie sich ein wenig ausruhen. Und wenn ein junges Gänschen mal gar keine Kraft mehr hatte, dann durfte sie in einem unserer vielen Fliewatüüts mitfliegen. Und ich muss sagen, am wohlsten haben sie sich bei den Sträußen gefühlt. Dort konnten sie sich unter den großen und breiten Flügeln verstecken und sich somit gegen die Kälte schützen. Und so flogen wir erst einmal bis zur südlichsten Spitze Afrikas um von dort dann einmal über den großen Teich bis zur südlichsten Spitze Südamerikas zu fliegen. Dort mussten wir dann erst einmal eine längere Pause machen, so knapp 5 Stunden. Meine Beinchen waren eingeschlafen und mein Rücken fühlte sich an, als würde sich ein Igel darüber hinwegkugeln. Es wurde kurz geschmaust, aufgetankt und dann flogen wir das letzte Stück bis nach Ecuador. Dort kreisten wir dann über der Küste hinweg um kurz darauf in den Regenwald einzutauchen. Nur gab es leider ein Problem. Unser Fliewatüüt war zu groß und zu breit um damit gekonnt und gut aussehend um die Bäume zu schweben.Also mussten wir landen, wozu sich natürlich eine kleine Waldlichtung anbot. Und schon mussten wir die gemütlichen und kühlenden Flipflops gegen warme und enganliegende Wanderschuhe wechseln. Oder denkt ihr etwa, ich lass mich freiwillig von einer Schlange in den Knöchel beißen? Also ihr könnt das gerne ausprobieren, ich verzichte gerne! Die Rucksäcke wurden wieder geschultert, die Regencapes wurden übergeschmissen und es konnte losgehen. Regencapes bei strahlendem Sonnenschein? Na der Regenwald wird schon nicht umsonst Regenwald heißen oder? Ein Einheimischer kam uns entgegen, begrüßte mich umständlich mit Händen und Füßen und eilte dann gekonnt und pfeilschnell voraus. Wir hatten so unsere kleinen Probleme nachzukommen. Anfangs war es noch gar kein Problem mitzuhalten, wenn man mal von den gefühlten 100°Grad und der Luftfeuchtigkeit von über 70% absah. Es ging über Wurzeln, Bachläufe und Steine bis hin zu einer weiteren kleinen Waldlichtung. Diese lag an einem Hang und war mit hohem Gras und kleineren Büschen bewachsen. Ab und an schaute eine blühende Blume daraus hervor. Es waren kleine Farbtupfer im immerwährenden Grün. Eine Farbe, die mir übrigens bisher immer sehr gut gefallen hatte, die mir aber nun langsam auf die Nerven ging. Man hatte einfach keine Chance ihr zu entkommen. Unser Begleiter und gleichzeitig Ortskundiger hielt uns zurück indem er einen Finger auf die Lippen legte, uns mit der flachen Hand am Weitergehen hinderte und dann mit einem breiten Lächeln auf die Lichtung zeigte. Wir waren anfangs alles andere als erfreut nicht weitergehen zu dürfen, doch nachdem wir uns in die Büsche geschlagen hatten und auf die Lichtung blickten wussten wir, warum er uns gerade hier her geführt hatte. Dort waren sie, die Könige des Dschungels. Ich hätte weinen können vor Ergriffenheit als ich sie erblickte. Gorillas! Eine kleine Gruppe tollender Gorillakinder kullerte und kletterte vor sich hin. Sie jagten sich, lausten sich gegenseitig um die Erwachsenen nachzuahmen und lagen bei Mama im Arm um schlummerten friedlich vor sich hin. Die Weibchen hatten sich verteilt und waren fleißig am Fressen oder hielten ihren Kinder davon ab zu viel Blödsinn zu veranstalten. Und über allem wachte das Männchen, das Alphatier. Er wirkte stolz und hatte seinen Blick auf alles und jeden gerichtet. Wir konnten uns kaum von dem Anblick losreißen. Doch unser Begleiter drängte zum Aufbruch. Wir hätten noch einiges an Kilometern abzureißen. Murrend und schmollend folgten wir ihm bis zu einem kleinen Bachlauf. Dort ließ er uns erneut kurz rasten und verschwand im dichten Dickicht. Und während er noch weg war veränderte sich die Luft. Es roch komisch. Also ich kann den Geruch noch nicht einmal richtig beschreiben ... so wie faule Eier gemischt mit Haarfärbemittel. Und irgendwie wurde er immer intensiver bis er kaum noch auszuhalten war. Und in diesem Augenblick erschien wieder unser Begleiter in unserer Mitte und zeigte uns eine riesige Blume. Und eben diese Blume stank so bestialisch, dass wir kurzfristig das Gefühl hatten wir würden von dem Geruch ohnmächtig werden.Er aber deutete stolz darauf und begann dann mit der Erklärung. Bei dieser "Blume" - ich bezweifle noch immer ob so etwas stinkendes wirklich Blume genannt werden darf - handelte es sich um eine Titanenwurz (Amorphophallus titanum). Eigentlich ist sie nur auf der Insel Sumatra zu finden. Seit einigen Jahren aber nun wächst sie auch hier im Regenwald. Kurz bevor sie sich entfaltet, entwickelt die Pflanze einen stechenden Aasgeruch. Damit lockt sie bestäubende Käfer an. Nach nur zwei Tagen beginnt die Blüte zu welken. Gut zu wissen, aber ich wäre dafür, dass wir sofort verschwinden würden, denn lange hielt ich den Geruch nicht mehr aus. Gott sei Dank war ich damit nicht allein und meine Tierchen folgten mir den Bachlauf hinauf. Unser Begleiter brachte die Blume zurück und eilte uns dann hinterher. Wir liefen weiter durch dickes und dichtes Geholz, vorbei an farbenprächtigen Blumen die nicht stanken, buntesten Vögeln und einer ganzer Menge anderem Getier wie zum Beispiel Spinnen, Schlangen und komisch riesige Tausendfüssler. Während ich kreischend von einem Bein aufs nächste sprang, machten sich meine Sträuße, Enten und Truthähne darüber her und fanden es war ein perfekter Snack für zwischendurch. Unser Begleiter lachte mich aus und meine futternden Tierchen an - na tolle Wurst. Man was hatte ich mir da bloß eingehandelt. Und zu allem Überfluss fing es auch noch an zu regnen. Aber nicht nach dem Motto: Hier ein Tröpfen, dort ein Tröpfchen. Sondern eher nach der Variante: Da hat oben im Himmel einer den Stöpsel gezogen. Es schüttete und innerhalb von Sekunden standen wir im Schlamm und schlidderten nun vor uns hin die Hügel, welche wir eben noch erklommen hatten wieder hinunter. Doch unten erwartete uns eine kleine Überraschung. Eine Ansammlung von Baumhäusern. Unser Begleiter verabschiedete sich von uns und war mit einem Blinzeln wieder im ewigen Grün verschwunden. Das einzige was wir noch sahen waren die rhythmisch wackelnden Blätter. Wir gingen zu den Baumhäusern und schaute uns diese ganz genau an, jeder suchte sich eines aus, in welchem er seiner Meinung nach am besten würde nächtigen können. Während meine Elefanten sich dazu entschieden doch am Boden zu bleiben und sich dort ein gemütliches Plätzchen zu suchen, hatte ich schnell mein Traumdomizil gefunden. Ein kleines Baumhäuschen mit Hängebrücke zu den anderen, sodass ich überall schnell sein konnte, wenn etwas passieren sollte und einer Schaukel, welche weit über dem Waldboden endete. Ich beeilte mich damit, die Leiter nach oben zu klettern und mich auf der gemütlichen Bettstatt niederzulassen. Ich schleuderte die Schuhe von meinen verschwitzten Füßen, entledigte mich meines Regencapes und ließ mich mit schon geschlossenen Augen in die Kissen fallen. Keinen einzigen Gedanken verschwendete ich mehr an meine Tierchen, welche sich ebenfalls schon schlafen gelegt hatten. Keiner dachte ein gemütliches Essen in trauter Runde oder an ... Moskitonetze! Ein Fehler, ein großer Fehler. Als ich nun heute morgen erwachte war ich über und über mit wirklich stark juckenden Moskitostichen übersät. Da ich nicht mehr schlafen konnte, kletterte ich schleichend die Leiter wieder hinunter und eilte zum Bach. Dort tauchte ich erst einmal ab ins kühle Nass und wusch mir das Jucken von der Haut. Nur leider blieben die Stiche an Ort und Stelle. Was hätte ich dafür gegeben, wenn auch sie verschwunden wären. Naja, man kann nicht alles haben! Als ich gut erfrischt, mit frisch geputzten Zähnen wieder ins Baumhäuschendorf zurückkam hatte jemand einige Kisten mit frischem Obst und anderen Köstlichkeiten vorbei gebracht und war dann wieder klammheimlich verschwunden. Ich beschloss mit dem Frühstück noch einen Augenblick zu warten und eilte wieder hoch in mein Baumhäuschen. Und hier sitze ich nun auf meiner Schaukel, schwinge hin und her während ich euch von dem Leben als Jane erzähle ... und vielleicht, wenn ich ganz viel Glück habe, ja dann vielleicht kommt auf einer Liane ja auch noch mein heißgeliebter Tarzan vorbei.
In diesem Sinne und mit einem kräftigen Schrei ....

Bis zum nächsten Mal!
Liebe Grüße
Nadine


P.S. Damit dieser wunderschöne Lebensraum erhalten werden kann und weiterhin Tiere und Pflanzenarten so nah und vor allen Dingen friedlich beieinander leben können, habe ich mir 10 m² dieses wundervollen Regenwaldes gekauft und mit dieser kleinen Spende davor gerettet abgeholzt zu werden. Wenigstens ein kleiner Zufluchtsort für all diejenigen Tiere, die Tag für Tag vor den großen Baggern, Sägen und Planierraupen flüchten müssen und dabei manchmal mehr als nur ihr geliebtes Heim verlieren ... manchmal sind es auch Kinder, Frauen und ein Stolz. Das sollte nicht so sein. Warum kann uns nicht das gelingen, was auch ihnen gelingt. Mit anderen Arten friedlichen auf einem Fleckchen Erde zu leben?

12. Telegramm aus Tokyo (Japan)

 

Hallöchen meine Lieben!
Leider hat das diesmalige Telegramm etwas länger in dieses Forum gebraucht. Fragt mich nicht warum, aber die Infrastruktur der Post ist in Japan weitesgehend nicht aufrecht zu erhalten. Aber nun ist es ja endlich soweit. Wir haben eine ganze Menge erlebt. Oder eigentlich auch nicht! Wir sind mit einem mehr oder weniger normalen Flugzeug geflogen und mussten dann in Japan mitten im Nichts notlanden. Mein absoluter Horror begann also über den Wolken. Nichts mit " über den Wolken ... muss die Freiheit wohl grenzenlos sein"! Das einzige was bei mir wirklich absolut grenzenlos erschien, das war die Angst mitten auf dem Meer aufzuschlagen und dann langsam zu versinken. Also, es fing alles damit an, dass mir der Pilot nicht ganz so flugtauglich erschien. Hier traf es also zu, dass Pilot und Flugzeug wie die Faust aufs Auge zusammen passen. Wir standen brav wartend vor dem Flieger, beinahe schon in Reih und Glied, wobei sich das beinahe minütlich änderte. Irgendwie mussten wir die Langeweile ja rumkriegen. Und plötzlich tauchte aus dem Gebäude eine einsame, sehr wankende und humpelnde Gestalt auf. Ich dachte anfangs noch, es würde sich um einen weiteren Passagier handeln, der nun froh war, dass er das Flugzeug doch noch erreichen würde ... aber weit gefehlt, sehr weit sogar. Umso näher der Mann kam umso mehr erkannte man von der recht alten und doch zerschlissenen Pilotenkleidung. Ich schob meine Sonnenbrille von der Nase auf den Kopf und dachte eigentlich, somit die schlechte Fata Morgana zum erlischen zu bringen. Aber da hatte ich ebenso weit gefehlt. Er schlenderte weiterhin unbeirrt auf uns zu. Mit einem kurzen Nicken betrat er die Maschine und warf den laut dröhnenden Motor an. Ein plötzlich recht starker Wind haute uns beinahe aus den Schuhen. Schnell erklommen wir die mehr oder weniger stabile Treppe hoch in die Maschine und eilten dann auf unsere Plätze. Keine Sekunde zu früh erreichten wir unsere Plätze, denn im selben Moment wie wir saßen gab er Vollgas und schlidderte mit uns über sämtliche Start-und Landebahnen die dieser Flughafen zu bieten hatte. Ein ankommendes Flugzeug musste eine Vollbremsung mit Salto Montale machen, damit es uns nicht überrollte. Und wer nun glaubt, dass das ganze Schauspiel über den Wolken ein Ende hatte der täuscht sich gewaltig. Beinahe so als würden wir Slalomabfahrt um die Wolken machen. Auf und nieder immer wieder. Selbst meine sonst so flugerprobten und deshalb robusten Tierchen wurden mehr oder weniger grün im Gesicht und krallten sich in ihren Sitzen fest. Die Landung war etwas fest und einige Känguru-Sprünge hatten sich auch dorthin verirrt, aber was soll´s. Immerhin waren wir wieder heil auf dem Boden zurück. Ein bisschen senkrecht schwankend liefen wir über die Grasflächen und um die Büsche herum, die sich hier in der Wildnis versammelt hatten und suchten uns dann an der nächstbesten Straße eine Möglichkeit zum Vorwärtskommen. Kurz darauf saßen wir in einem Taxi und fuhren in die verschiedenen Städte des Landes. Wir kamen vorbei an wunderschönen Landschaften die an Farben und Eindrücken nicht zu überbieten waren. An einem kleinen See blieben wir stehen und stiegen aus. Es roch nach Herbst und die Blätter schwangen farbenfroh im leichten und doch recht lauen Wind. Die Regenwolken verzogen sich langsam aber sicher und boten der Sonne ihren Platz an. Wir spazierten um den See herum und kamen zu einem kleinen Haus. Es sah sehr lustig aus. Es hatte mehrere Dächer und diese waren auch noch gebogen. Meine Tierchen kloppten sich kurzfristig darum, wer als erstes mit diesem Haus ein Bild machen durfte. Unglaublich, sie konnten zu kleinen Kindern werden ... Ich ließ mich in der Nähe auf eine Bank nieder und genoss den Ausblick über den keinen See, welcher durch eine Brücke von einem größeren See getrennt lag. An mir vorüber fuhr ein kleines Boot, in welchem eine alte Frau saß. Man sah ihr sowohl das Alter als auch die vielen Jahre harte Arbeit an. Ihre Augen und auch die Falten ihrer Haut erzählten eine ganz eigene Geschichte. Ihre Lippen lächelten, während sie uns freundlich dazu einlud, doch ein Stückchen mit ihr zu reisen. Gerne nahmen wir an und stiegen mit leicht wackeligen Knien in das ebenso wackelige Boot. Mein Kühe boten der Frau an, dass sie das Boot rudern würden, doch die Frau schüttelte nur bedächtig mit dem Kopf. Sie wollte das Ruder selbst in der Hand haben. Zu viele Katastrophen seien schon passiert, weil Menschen sich das Ruder aus der Hand haben nehmen lassen. Sie wollte nicht der Auslöser für eine weitere Katastrophe sein. Mit starken Paddelschlägen brachte sie uns schnell voran. Wir tauchten unter der Brücke hindurch und gelangten sofort in einen heftigen Wind. Er war uns zuvor gar nicht aufgefallen, zog nun aber in mehr oder weniger starken Böen über den See und hinterließ kleine bis mittlere Wellen gegen welche die alte Frau bedächtig ankämpfte. Und während sie so ruhig und ohne Hast vor sich hin paddelte sang sie mit einem Lächeln und einem Glitzern in den Augen ein leises Lied.

"Zugvögel tönen laut von fernen Ländern,
Die weit hinterm Horizont sind.
Das Jahr atmet aus
Und es wird sich verändern
Der Herbstmond schickt seinen Wind

Ich hole tief Luft und die schmeckt nach Süden
Ich bleibe mit offenen Armen stehn
Ich ruf in die Wolken: ?Nehmt mich mit, nehmt mich mit?
Ach könnt ich nur mit ihnen ziehn

Wann trägt der Wind mich fort,
Meiner Seele sind Flügel gewachsen
Ich fühl mich so leicht und so frei
Mein Herz hat die Segel gesetzt
Hab alles an Bord
Wann trägt der Wind mich fort

Der Himmel weint tausend verlorene Tränen
Ich hör, wie der Wind meinen Namen haucht.
Er flüstert mir zu: Komm doch mit, komm doch mit
Und trag dein Herz dorthin, wo man es braucht!

Wann trägt der Wind mich fort,
Meiner Seele sind Flügel gewachsen
Ich fühl mich so leicht und so frei
Mein Herz hat die Segel gesetzt
Hab alles an Bord
Wann trägt der Wind mich fort?"

Wir wurden ruhiger und lauschten ihren leisen Worten. Sie klang trotz ihres Alters wie eine junge Frau. Sie verpackte all ihre Wünsche, Träume, Hoffnungen und Sehnsüchte in dieses eine Lied. Kurz darauf erreichten wir ihr kleines Dorf. Es bestand nur aus kleinen Holzhäusern, welche auf Pfählen in Reisfeldern standen und nur durch kleine Boote zu erreichen waren. Sie fuhr mit uns über eines dieser Reisfelder und grüßte mal hier, mal dort einen der Einwohner, welche mit krummen Rücken und nassen Rocksäumen im Wasser standen und eine Hand Reise nach der anderen ernteten. Meine Tierchen und ich schauten uns nur an und sprangen dann behände aus dem Boot. Wir stapften ebenfalls durch das Wasser und ließen uns die kleinen Tricks der Reisernte zeigen. Am Abend saßen wir dann gemeinsam mit der alten Frau um ihren kleinen Herd und ließen uns freundlich bekochen. Sie war dankbar, dass wir geholfen hatten. Harte Arbeit war die Reisernte, schon immer gewesen. Ihre Knochen waren alt und schmerzten bei jeder Bewegung. Doch durch unsere Hilfe war die Ernte für den heutigen Tag gigantisch gewesen. Es war das 24fache der sonstigen Tagesernte gewesen. Einen Teil würden sie behalten, den anderen Teil den konnten sie gut und gewinnbringend in der nächst größeren Stadt verkaufen. Tränen der Dankbarkeit glänzten in ihren Augen. Draußen begannen die Geräusche der Nacht zu erklingen und zeigten an, dass es langsam aber sicher an der Zeit war unter die Bettdecke zu schlüpfen. Es fiel uns auch wahrlich nicht schwer, so harte Arbeit machte müde. Aber natürlich werde ich nicht ins Bett gehen ohne euch vorher noch schreiben, dass es uns gut geht und wir weiterhin auf Reisen sein werden. Mit einer kleinen Kerze bin ich auf die kleine Veranda gegangen, welche das Haus umgab und ließ mich dort auf einem weichem Kissen nieder. Block und Stift gezückt, konnte es auch schon losgehen. Am liebsten würde ich euch die Stille hören lassen, die hier herrschte. Nur ab und an konnte man das leise plätschern hören, wenn eine kleine Welle den Pfahl umspülte. Es war einfach nur traumhaft. In diesem Sinne wünsche ich euch noch einen schönen Freitag und einen guten Start ins Wochenende! 

Eure Nadine 

13. Telegramm aus Mocuba (Mosambik) 

 

Hallöchen meine Lieben!
Nach einer etwas längeren Zeit melden wir uns wieder aus einem wunderschönen Lande zurück. Es hat etwas länger gedauert, weil wir uns mal wieder entschieden haben, dass wir wandern ... von Japan nach Mosambik. Es war allerdings nicht immer einfach, über Berge, durch Täler, am Ozean entlang und um Wälder herum.Aber wir sind ja angekommen. Erst in der Hauptstadt Mosambiks - in Maputo. Dort haben wir uns erst einmal getrennt, jeder ist seinen eigenen Wünschen und Träumen nachgelaufen. Ich habe einen Markt besucht und haben mich von all den Gerüchen, Geräuschen und visuellen Reizen einlullen lassen. Hier kamen Menschen aller Lebensklassen und Lebensstandards zusammen. Man sprach miteinander, man kaufte und verkaufte und man respektierte den anderen auf seine ganze eigene Weise. Natürlich konnte ich auch hier und dort einen Streit beobachten, aber diese waren meist kurz und heftig. Danach trank man einen Schnaps oder auch einen starken Kaffee zusammen und schon waren die Reibereien beigelegt. Ich kaufte mir von dem spärlichen Geld, was ich mir pro Land immer zuschrieb, einen breitkrempigen Hut und neue Wanderschuhe. Meine alten Schuhe waren schon so durchgelaufen, dass man es keinem mehr zumuten konnte, am allerwenigsten mir. Auf dem Rückweg in Richtung Treffpunkt, dem Bahnhofsvorplatz, gönnte ich mir noch eine selbstgemachte Limonade. Sie war mit Minze und süßen sowie sauren Obstsorten gefertigt und erfrischte in der hier herrschenden trockenen Hitze wie ein Bad im Eismeer. Entspannt und mit einem minimalen Sonnenbrand auf der Nasenspitze erreichte ich den Treffpunkt als erste. Das hatte ich mir aber schon fast gedacht. Aber ich brauchte mir keine Sorgen zu machen, meine Tierchen waren gewissenhaft und somit dauerte es nicht lange und sie standen in einer Traube und laut tratschend vor mir und um mich herum. Ein Blick auf die Uhr reichte um zu wissen, dass wir noch ein paar Minuten Zeit hatten um zum Gleis zu kommen. Ein Zug würde uns in die wilde Welt Afrikas entführen. Wir betraten den Bahnsteig und uns fiel der Reihe nach die Kinnlade hinunter. Ein glänzender, unendlich langer Zug stand vor uns. Die Dampflok stand schnaubend und rauchend neben uns. Die Schaffner wuselten mit den ebenfalls Mitreisenden umher. Koffer wurden in den Zug gehievt. Elegante ältere Damen bedachten uns mit abschätzenden Blicken. Kein Wunder, wir passten so gar nicht in das Klientel. Elegante Kleider, perfekt sitzende Frisuren und das gewisse Quäntchen zuviel Schminke im Gesicht konnte man bei uns nicht finden. Es wäre auch eher störend auf unserer Mission gewesen. Doch all die Blicke und Tuscheleien störten uns nicht. Wir brauchten den Zug als Transportmittel um von A nach B zu kommen um dann bei C weiterzumachen. Ein lauter Pfiff erklang und die Schaffner drängten uns in den Zug. Es ging endlich los! Wir gingen den langen Gang hinunter und hatten eigentlich noch keinen Blick für die Einrichtung. Wir waren sehr viel mehr damit beschäftigt unsere Abteile und somit auch unsere Zimmer zu finden. Es dauerte nicht lange. Ich betrat mein kleines Zimmerchen. Ich wurde beinahe erschlagen von Luxus. Alles war mit Holz ausgelegt, feinste Stoffe und das gewisse Händchen Dekoration. Ich ließ mich auf das breite Bett fallen und war schon in Traumwelten verschwunden. Die Müdigkeit hatte gesiegt. Als ich das nächste Mal wieder aufwachte, lag ich in einem ganz anderen Bett. Das monotone Rütteln und Schütteln des Zuges hatte aufgehört. Die leise Abendsonne schien durch das Fenster, welches von weißen, aufbauschenden Vorhängen umrundet war. Der Wind war warm und roch würzig, nach neuen Abenteuern. Die Kissen, in welchen ich lag rochen nach einer mir fremden Blumenart. Süßlich aber nicht überladen. Nur langsam quälte ich mich aus den weichen Laken und schaute mich um. Auch hier war alles aus Holz gefertigt, die Teppiche bestanden eigentlich nur aus Flicken. Doch bevor ich mich noch mehr umschauen konnte, bollerten meine Tierchen durch die Tür und umringten mich. Sie waren stolz darauf, dass sie den Weg zur Lodge auch ohne mich und meine Planungen gefunden hatten. Doch lange klimatisieren konnte ich mich nicht. Denn vor der Lodge erklangen schon die Hupen unserer gebuchten Safariwagen. Meine Tierchen, vor allen Dingen meine Elefanten waren schon ganz hibbelig. Es war kaum noch zu ertragen. Ich schnappte mir meinen Hut, zog meine neuen Wanderstiefel an und bestieg dann als Erste den Jeep. Ich durfte sogar vorne sitzen. Hätte ich gewusst, dass das eigentlich der schlimmste Platz war, dann hätte ich einer Tierchenrasse den Vorrang gelassen. So musste ich mich nun mit einem nie verstummenden und dennoch unverständlich quasselnden Safariguide rumschlagen. Sobald ich mich versuchte auf die Umgebung zu konzentrieren verlangte er erneut nach meiner Aufmerksamkeit. Zumindest solange, bis ich mir Ohropacs in die Ohren stopfte und leise vor mich hinsummte. Eine herrliche Stille. Die aber auch nur so lange anhielt, bis meine Tierchen ganz aufgeregt zu kreischen anfingen. Die ersten Löwen stolzierten langsam über die Straße und ließen sich auch nicht zu einer schnelleren Gangart anheizen. Der Blick des Männchens war mehr als eindeutig. Das letzte was wir von ihm sahen, waren weiße und vor allen Dinge sehr spitze Fangzähne, als er zum lauten Brüllen ansetzte. Mir rutschte kurzfristig das Herz in die Hose. Doch sobald die Räder sich wieder drehten normalisierte sich alles wieder. Und nun begann es, diese Gefangensein im Moment. Man wusste nicht mehr, wo man zuerst hinschauen sollte. Nach rechts ... oder doch nach links? Wir sahen Sträuße, die mit ihren unendlich langen Beinen neben uns herliefen und sich mit meinen Sträußen angeregt unterhielten. Von den Sträußen ging es dann zu den Nashörnern und Zebras ans Wasserloch. Giraffen erschienen uns zwischen all den großen Bäumen. All die Tiere waren aber nur Vorboten auf die eigentlichen Herrscher der Savanne. Die großen Elefanten kamen mit festem Schritt auf uns zu. Sie wussten um ihre Macht und um ihre Erhabenheit.
Meine Elefanten versuchten sofort mit ihnen ins Gespräch zu kommen und zu meiner Überraschung gelang es ihnen. Es entstand ein sehr intensives Gespräch über Freiheit, Liebe und die kleinen Dinge im Leben. Ein kleines Elefantenbaby eilte tapsig auf mich zu und überreichte mir als eine Art Präsent ein großes Büschel trockenen Grases. Ich war berührt von dieser kleinen Geste. Meine Elefanten hatten anscheinend nur Gutes über mich erzählt. Doch so schön die Situation auch war, so langsam aber sicher begann die Sonne mit ihrem Abstieg. Es war das untrügliche Zeichen, dass es an der Zeit war den Rückweg anzutreten. Wir verabschiedeten uns mit einem traurigen Gefühl und wurden so schnell wie möglich wieder zurück zur Lodge gebracht.
Und hier sitze ich nun, mit einem Block und einem Stift. Neben mir, auf einem Tisch stehen sowohl eine Öllampe als auch ein Glas mit Rotwein. Der noch immer warme Wind ließ das Laub um mich herum rascheln und singen. Der kleine See vor mir plätscherte leise vor sich hin. Harmonie pur ... und in diesem Moment wollte ich nicht tauschen. 

Eure Nadine

14. Telegramm aus Beni Suef (Ägypten)

 

Oh mein Gott, endlich ... nur einen Augenblick die Füße ins kühle Nass halten und den Schatten genießen. Ihr glaubt gar nicht, was für einen Törn wir hinter uns haben. Unglaublich! Aber jetzt erst einmal tief durchgeatmet und dann ganz von vorn. Immerhin sollt ihr nicht Gedankenverwirrungen bekommen, sondern genau wissen, was uns in den letzten Wochen passiert ist. Wir sind gestartet, wie immer erst einmal mit dem Flugzeug. Die einfachste und schnellste Möglichkeit lange Strecken zu überbrücken. Ihr fragt euch jetzt sicherlich, warum ich lange Strecken überbrücken möchte, wo man doch auch da noch eine Menge erleben kann. Nur ihr habt ein großes Faktum vergessen. Und das sind meine Tierchen. Immer am Ende eines Aufenthaltes setze ich mich brav mit meinen Tierchen zusammen, wir nehmen den aufblasbaren Wasserball in Form eines Globus und suchen dort ein neues Ziel heraus. Nicht schwer ... eigentlich. Wenn man aber mit mindestens 14 Rassen vor einem Globus sitzt, dann kann man sich sicher sein, dass es mindestens 14 verschiedene Reiseziele zu beachten und diskutieren gibt. Schlussendlich bleibt immer alles an mir hängen ... damit es keinen Streit gibt. Nichts ist schlimmer, als eine Horde zickender Tiere im Schlepptau. Glaubt ihr mir nicht? Probiert es einfach aus! Wenn dann endlich ein Ziel auserkoren ist, dann beginnt die Vorfreude. Und würde es nach meinen Tierchen gehen, dann wären sie am liebsten immer nach einem Schnipsen von mir an Ort und Stelle. Aber so einfach ist das nicht. Es müssen Strecken überwunden werden. Teilweise lange Strecken. Und ich weiß nicht, ob ihr dieses Phänomen der gezirkelten Quengelei kennt, aber ich kann euch versichern, man kann dezent wahnsinnig davon werden. 

Ein Tier beginnt: Wann sind wir da? 

Ein anderes Tier steigt ein: Wie lange noch? 

Dann ein Wechsel der Seite: Ich habe Hunger?

Und die Krönung zum Schluss: Ich muss mal! Und zwar jetzt sofort und auf der Stelle, da gibt es keinen Aufschub mehr ... halt den Wagen an, ich muss so dringend. Kann mal jemand mithelfen die Fahrerin zu bequatschen? Hallllllooooooooooooo ... ich muss mal! Und wann sind wir überhaupt da?

Es ist fast wie eine Pandemie. Einer fängt an und plötzlich reden sie alle wild durcheinander. Und damit ich nicht irgendwann kurz vor dem Sprung aus dem Kellerfenster stehe, habe ich mir angewöhnt, dass Flugzeug als gutes Reiseverkehrsmittel zu nutzen. Dort bekomme ich alle Tiere auf mal unter, es gibt genügend Platz für die Elefanten und selbst die Kleinsten der Kleinen finden noch irgendwo einen Platz. So geht es dann schnell von A nach B ... oder wenn es wirklich keinen Aufschub duldet auch schon mal nach D, J, M, O oder Q. Das aber eher selten.
So sind wir dann in Kairo gelandet. Kairo, Hauptstadt von Ägypten. Das Land der Götter und Pharaonen, ein Land voller Mythen und Sagen. Ich freute mich riesig darauf, dieses Land genauer kennen zu lernen. Ich hatte mir auch so Einiges vorgenommen. Meine Tierchen waren dementsprechend instruiert worden. Ich wollte alles sehen: Pyramiden, den Nil, Sand, Wüste, Palmen! So standen wir nun voller Vorfreude am Flughafen und versuchten mit viel Winken und Pfeifen einen der vielen Taxifahrer auf uns aufmerksam zu machen. Einen? Dezent untertrieben ... schlussendlich brauchten wir 24 Taxen. Es sollte sofort an den Nil gehen. Nur leider gab es da ein klitzekleines Problem und das nannte sich großspurig Sprachbarriere. Irgendwie hatten die Fahrer meinen Satz, wo es nun genau hingehen sollte nicht so ganz verstanden. Warum weiß ich leider auch nicht so genau, die Wörter dazu hatte ich immerhin brav aus einem Duden herausgesucht und mit viel Zungenknoten hervorgestammelt. Aber egal ... anstatt in Gizeh am Nil landeten wir in Alexandria am Mittelmeer. Nur eine wirklich minimale Veränderung unserer Route. Wir stiegen aus, ich bezahlte schweren Herzens die Taxifahrer und wuchtete unser Sturmgepäck aus den Kofferräumen von 24 Taxen. Wichtige Info ... einige Taxifahrer in Ägypten sind nicht unbedingt mit gewissen Charakterstärken ausgestattet. Nun gut, ich will mich nicht länger darüber aufregen. Bringt nichts außer Falten. Hier standen wir nun, noch etwas unwissend, wenn auch mit einer gewissen Ahnung. Ich hatte immerhin den Reiseführer studiert und da hatte nichts davon drin gestanden, dass die Pyramiden am Meer zu finden waren. Also machte ich mich auf den Weg zu einem kleinen Laden und fragte dort höflich nach. Doch die Frau schaute mich nur mit einem breiten Grinsen an, schüttelte den Kopf und kramte eine alte, sehr zerfledderte Karte hervor. Sie zeigte mir, wo wir uns gerade befanden. Mal eben so 230 Kilometer vom eigentlichen Zielort entfernt. Ich war geschockt. Wortlos drehte ich mich um und verließ den Laden. Meine Tierchen hingegen hatten mittlerweile ihre Kameras und Fotoapparate hervor geholt und schauten mich erwartungsvoll an. Tonlos erklärte ich ihnen die Lage und sagte im gleichen Atemzug, dass wir ab nun an wandern würden.
Das war nun der Punkt, wo alles seinen Lauf nahm. Anstatt auf die Ladeninhaberin zu hören, welche mir eine Karte der Oasen und wichtigsten Städte mitgeben wollte, stapfte ich einfach so los ... ohne Karte, wenn auch mit genügend Wasser im Gepäck. Ich hatte mir so ungefähr gemerkt, aus welcher Richtung wir gekommen waren. Also war ich mir sicher, dass wir auch wieder in Richtung Gizeh bzw. Kairo kommen würden, wenn wir einfach nur dieser Richtung wieder folgten. Und so machten wir uns auf den Weg. Ich vorweg und meine Tierchen hinterher. So liefen wir ungefähr 4 Stunden ... bis ich irgendwann erkennen musste, dass ich mich heillos verlaufen hatte. Mittlerweile war nichts als Sand um uns herum. Sand und Hügel! Egal in welche Richtung ich mich drehte, überall das gleiche Bild. Sand, Sand und nochmals Sand. Ich stand kurz davor in Tränen auszubrechen. Meine Tierchen nahmen mich in ihre Mitte und wanderten stur weiter. Die Elefanten vorweg ... immerhin waren sie die Größten und konnten somit um einiges weiter nach vorn schauen, als ich selbst. Naja, zumindest solange vorweg bis ein Skorpion unseres Weges kreuzte. Wild plappernd baute er sich vor uns auf. Er redete und redete und redete. Schimpfte, machte und tat. Meine Horde und ich eng zusammen gedrängt, er wild gestikulierend vor uns. Es dauerte eine Weile, bis er sich soweit beruhigt hatte, dass man ihn auch mal verstehen konnte. Er suchte nach einer Möglichkeit in die Nähe einer Oase zu kommen, ohne noch größere Wege auf sich nehmen zu müssen. Mittlerweile war er so verzweifelt, dass er lieber brüllte und drohte, als nett fragte. Ich bot ihm an, sich uns anzuschließen, solange er uns nichts tun würde. Er war einverstanden und nahm auf meiner Schulter Platz. Eigentlich ziemlich gefährlich, im Nachhinein hat es sich aber als goldrichtig herausgestellt. Dieser kleine Skorpion kannte sich aus. Innerhalb von wenigen Stunden, zur Abenddämmerung erreichten wir eine kleine Oase. Mit einem Mal stand sie vor uns. Eben noch hatten unsere Augen nur Sand erspäht und dann ... hinter einem kleinen Hügel tauchte ein Welt wie aus einer Fantasie auf. Grüne Palmen, ein lauer Wind, saftiges grünes Gras, frische Früchte und ein großer See mit kühlem Wasser. Mit schnellen Schritten betraten wir diese Oase. Jedes Tier lief in eine andere Richtung. Ich blieb erst einmal verwundert stehen und wollte den Skorpion noch etwas fragen, doch dieser war nach Nennung des Namens der Oase urplötzlich verschwunden. Auch angestrengtes Suchen hinter verschiedensten Bäumen und unter den verrücktesten Steinen half da nicht wirklich weiter. Er war und blieb verschwunden. Ich fand mich damit ab und wandte mich wieder meiner Umgebung zu. Wir waren also in Siwa gelandet. Gut zu wissen, auch wenn ich keine Ahnung hatte, wo genau wir nun wirklich waren. Siwa war nicht groß. Ein kleiner See, ein paar Palmen eine große Wiese. Mehr war hier nicht zu finden. Für die Nacht würden also unsere Schlafsäcke reichen müssen. Müde vom langen Laufen in unglaublicher Gluthitze fielen wir umgehend in einen tiefen Schlaf.
Tja, und so ging es die nächste Zeit weiter. Am Tage liefen und liefen und liefen wir, in der Nacht schlummerten wir frierend bei beinahe Minusgraden in unseren Schlafsäcken. Nur eine Oase kreuzte bisher nicht mehr unseres Weges. Schade eigentlich. Ich lag nicht nur eine Nacht wach und überlegte, wo ich uns da bloß hinein geritten hatte. Langsam aber sicher wurde es meinen Tierchen eindeutig zu langweilig. Hier konnte man ja nichts erleben. Nur Sand und Dünen und Hügel und Felsen. So ging es 35 Tage lang. Sonne, Mond, Warm, Kalt, Sand, Wind, Fels! Eine Abwechslung die man zu schätzen lernte. Am 36 Tag erreichten wir ein Naturschauspiel. Eine Felsformation inmitten der Wüste. Rottöne schmiegten sich aneinander und erzeugten ein so stimmiges Bild, dass wir Ewigkeiten davor standen und noch immer staunten. Je nach Sonneneinstrahlung wurden andere Farbtöne erzeugt. Und der Wind spielte ein Konzert dazu. Er pfiff über die Kämme und Kuppen, summte uns fiepte. Wir beschlossen hier zu bleiben, auch wenn der Tag eigentlich noch jung war. Es war gerade Mittag geworden. Und doch wollten wir uns nicht trennen. Ein Entschluss den wir alle gemeinsam trafen. Eine Nacht mehr oder weniger würde den Kohl auch nicht fett machen. Doch auch dieser ganz besondere Tag ging zu Ende, die kalte Nacht brach herein. Der Wind versiegte und man spürte, wie die Kälte von oben auf einen herab fiel. Nur der Sand und die Steine boten eine gute Wärmequelle. Die erste Nacht seit langem, welche wir nicht frierend und mit den Zähnen klappernd in einem Schlafsack verbrachten.
Die nächsten 29 Tage waren wir dann wieder auf Wanderschaft. Rauf auf die Düne, runter von der Düne, rauf auf die Düne und wieder runter von der Düne. Mittlerweile hatten wir Beinmuskeln bis zum Abwinken. Am 29 Tag erreichten wir wieder eine Oase. Anfangs dachte ich noch, es würde sich mal wieder um eine Fata Morgana handeln. Doch so sehr ich auch blinzelte und mir die Augen rieb. Die Palmen blieben stehen. Im Hintergrund sah man einige verfallene Häuser auf Lehm und Stein erbaut. Die Fenster wirkten wie dunkle Augen, welche uns auf unserem Weg hinunter zum Wasser verfolgten. Wir stolperten beinahe mit letzter Kraft hinein in ein Reich aus verschiedensten Grüntönen. Palmen, Gräser, Blumen. Ein Traum! Wir labten uns an Früchten und tranken Wasser in rauen Mengen. Erst gegen Abend, als langsam Stille einkehrte hörte ich sie. Leise Lieder von kräftigen Stimmen. Irgendwo zwischen den Häusern mussten sie sitzen. Wir hielten uns im Schutz der Palmen und warteten auf die Dunkelheit. Gar nicht so einfach. Habt ihr schon mal versucht Elefanten hinter dem Stamm einer Palme zu verstecken? Nein! Es ist auch tatsächlich fast unmöglich.
Die Nacht brach herein und aus den Liedern wurde hell erleuchtete Punkte. Flackerndes Licht deutete auf ein wärmendes Feuer hin. Unsere Angst vergessend liefen wir auf die flackernden Flammen drauf zu. Darum herum saßen Reisende, welche sangen und musizierten. Gastfreundlich wurden wir in ihre Mitte aufgenommen. Ein Platz am Feuer, ein Kelch mit Wein. Sie zeigten uns auf einer Karte, wo wir uns befanden. Beni Suef, eine große Oase am Rande der Wüste, in welcher die Pyramiden von Gizeh beheimatet waren. Sie erzählten uns Geschichten über Götter. Sie sprachen voller Stolz von all den vergangenen Taten der Pharaonen.
Und hier sitze ich nun, auf einem warmen Stein im leichten Schein der Morgendämmerung. Die Sonne beginnt gerade damit ihren Weg an den Himmel anzutreten. Eine Stimmung die ich nicht beschreiben kann. Ihre feurigen Strahlen ließen die Oase aussehen, als würde sie in flüssigem Gold baden. Mit diesem Bild und mit dem Wissen, dass ich in den nächsten Tage endlich die Pyramiden werden sehen können verabschiede ich mich aus diesem wunderbaren Land.
Und gelernt habe ich etwas ganz Wichtiges: Ich habe einen Orientierungssinn wie ein blindes und taubes Schaf!

In diesem Sinne noch einen schönen Tag!

Liebe Grüße  

Nadine

 14. Telegramm von der Norwegischen See (vor Norwegens Küste) 

 

Hallo ihr Lieben *wink wink*
Nur noch schnell in eine dicke Jacke über gezogen und auf das Deck geschlichen. Meine Tierchen müssen ja nicht unbedingt immer alles mitbekommen, was ich so treibe.
So, jetzt noch schnell Stift und Papier gezückt und dann kann es losgehen ...
Wir haben mal wieder eine ereignisreiche Woche hinter uns. Nach langer Zeit in warmen Gefilden und genug Abenteuerurlaub hatten wir uns noch an den Pyramiden von Gizeh dazu entschlossen es nun doch etwas ruhiger angehen zu lassen. Und vor allen Dingen hatten wir uns geschworen, die nächste Zeit keinen Schritt zuviel zu machen. Ein Blick in die Reisekasse erlaubte mir dann auch den Tieren mitzuteilen, dass es nun an der Zeit war sich etwas Ruhe und Erholung zu gönnen. Wir holten wieder den Globus heraus und suchten uns etwas weiter nördlich ein wunderschönes Land. Meine Bienen schlugen Norwegen vor. Ich liebe Norwegen, das Land meiner Träume. Es würde uns nicht nur Erholung bieten, sondern auch noch eine Menge anzuschauen, zu erleben ohne ein winziges Staubkörnchen Abenteuer. Ich willigte sofort ein und suchte dann im Nahen Kairo nach einem passenden Flug, welcher uns alsbald als möglich aus der Hitze und der Wüste wegbringen sollte. Es dauerte nicht lange und wir schwebten über den dicken Wolken in Richtung Norden. Ein Flughafen im Norden Norwegens war unser Zielort. Ich hatte eine ganz besondere Zeit für meine Tierchen und mich geplant. Nur wussten meine Tierchen noch nichts davon. Sie wussten nur, dass es kühler werden würde. Der Flug war zwar lang, aber doch recht angenehm. Wir konnten unsere Füße schonen und wurden liebreizend versorgt. Die Landung war butterweich, die Piloten der Norwegischen Airlines verstanden etwas von ihrem Beruf. Ein netter Abschiedsgruß und wir wurden entlassen in die dann doch recht kalte Abendluft Norwegens. Es herrschten Minusgrade, überall lag Schnee und Eis.
Man sah nicht viel von der Landschaft und doch umso mehr. Ich konnte mich kaum satt sehen. Ich wusste noch nicht einmal wo ich zuerst hinschauen sollte. Alles strahlte und zog die Blicke magisch an. Mir blieb die Luft zum Atmen. Blautöne tanzten mit Weiß, Grautöne kämpften mit Braun und Schwarz. Alles an sich triste Farben und doch in diesem Zusammenspiel ein Kunstwerk der ganz besonderen Art. Kein Künstler der Welt konnte dies malen, kein Bild es haargenau wiederspiegeln. Es war eines dieser Naturschauspiele, die man selbst gesehen haben musste um es zu glauben. Der Flughafen lag an einem der vielen Fjorde, nicht weit entfernt, sozusagen in Sichtweite waren die vielen Inseln der Lofoten zu finden. Im Flughafen suchte ich mir einige Infos zusammen und erfuhr, dass ganz in der Nähe ein kleiner Fischerhafen zu finden war. Fischerei, dass war hier das täglich Brot mit welchem sich die Menschen einen guten Lebensunterhalt verdienen konnten. Und sie taten es gerne, meist mit einem Lächeln auf den Lippen, aber immer mit diesem Ausdruck in den Augen der von einer tiefen Entschlossenheit zeugte. Eine Entschlossenheit das Leben zu leben wie es kam und sich nicht zu beschweren. Ich sprach im Hafenamt mit einem alten Fischer außer Dienst, welcher nur noch die Boote koordinierte. Er nannte uns eine kleine Pension in Svolvaer. Dieses kleine Örtchen lag auf einer der vielen Inseln und lag im Blickkontakt mit einem der wohl mächtigsten Eisgletscher Norwegens - Svartisen Gletscher. Gegen einen kleinen Obolus würde er uns sogar mit einem Fischerboot persönlich hinüber bringen. Ich sagte zu, eine bessere und einfachere Möglichkeit würden wir nicht wiederbekommen. Und so saßen wir nur eine halbe Stunde später auf einem alten Fischkutter und tuckerten durch die kleinen Wellen aus der Bucht hinaus hinauf aufs offene Meer. Und dort erwartete uns gleich die nächste Überraschung. Der Kapitän pfiff nur und zeigte dann nach Steuerbord. Dort erhoben sich aus dem Wasser, welches in der untergehenden Sonne wie Gold schimmerte, schwarze Kolosse. Finnen durchschnitten die Wellen, als wären sie aus Luft. Ein Prusten erklang und die dazu gehörige Wasserwolke ließ nicht lange auf sich warten. Wale! Ich konnte es kaum glauben, aber vor unseren Augen begannen ein paar Orcas miteinander zu spielen und zu rangeln. Sie jagten sich, sprangen wie kleine Kinder umher und waren genauso schnell verschwunden, wie sie aufgetaucht waren. Beinahe so, als hätten sie nur in unserer Vorstellung existiert. Kurz darauf erreichten wir die Lofoten, fuhren durch ein paar schmale Wasserstraßen zwischen einigen kleineren Inseln hindurch und erreichten schlussendlich Svolvaer. Ein wirklich kleines Dort, bestehend aus einer kleinen Anlegestelle, ein paar Häusern, einer Gaststube, einem Lebensmittelladen und einer Pension. Und alles war vom Wasser her auszumachen. Ich fragte mich bloß wofür sie hier stand, denn ich glaubte nicht, dass sich so unglaublich viele Touristen und Gäste hier her verirrten. Wir bedankten uns überschwänglich beim Kapitän und schauten ihm nach, als er unter leisem Hupen wieder in Richtung offenes Meer hinausfuhr. Wir stiegen über ein paar Felsen, erreichten eine kleine Straße und folgten ihr bis zur Pension. Hier wurden wir überaus freundlich empfangen und sofort mit Speis und Trank versorgt. Ich wusste gar nicht, dass man aus Fisch so viele und vor allen Dingen leckere Sachen fertigen konnte. Am Ende des Abends, draußen war es schon dunkel geworden, saßen wir gefüllt bis zum Anschlag in einer gemütlichen Ecke der Pension und schauten uns einige Bilder der vergangenen Reisen an. Es war schön in Erinnerungen zu schwelgen. Wir bemerkten nicht, wie die Wirtin plötzlich vor uns stand. Sie bat uns, ihr doch einen Augenblick Gesellschaft zu leisten - draußen vor der Tür. Und als wir neben ihr standen sahen wir das, was sie uns zeigen wollte. Grüne Lichter die wie von Geisterhand geführt über den Himmel jagten. Langsam schlingernde Bewegungen, hypnotisierend. Wir standen alle nebeneinander und konnten die Münder einfach nicht mehr zu bekommen. Polarlichter - die kleinen Geister des Nordens vereint auf ihrer Reise um den Menschen ihre Anwesenheit zu beweisen. So standen wir dort und schauten diesem Naturspektakel zu, vergaßen die Zeit.
Die Nacht war zu kurz.
Am nächsten Morgen machten wir uns rechtzeitig auf zum großen Hafen. Und dort lag es dann. Unser Fortbewegungsmittel der nächsten Tage. Ein Postschiff auf einer ganz bestimmten Route an Norwegens Küste entlang. Dort lag es in seiner ganzen Hoheit - das Hurtigroutenschiff! Ganz heimlich still und leise hatte ich es gebucht und uns somit ein paar entspannte Tage auf dem offenen Meer und in den schönsten Fjorden Norwegens geschenkt. Wir betraten es mit einer besonderen Ehrfurcht und kämpften uns sofort vor zur Reling. Ich musste mich einfach noch mal verabschieden von diesem kleinen Ort, der mir gezeigt hatte das Einsamkeit manchmal auch sehr schöne Seiten haben kann. Ein Blick zurück auf den imposanten Gletscher über welchem im beginnenden Morgenlicht noch immer die Polarlichter Tango tanzten. Kurz darauf legten wir ab, ganz heimlich still und leise. Wir glitten über die See. Aber anstatt sofort nach Süden zu fahren bogen wir ab ... gen Norden. Wir machten noch einen kleinen Abstecher zum Nordkap. Eine halbe Tagesreise, nicht weit. Dort durften wir noch einmal das Schiff verlassen. Sofort machten wir uns auf den Weg hoch zum Nordkap. Ein großer Felsen, unscheinbar stand er dort. Oben drauf eine Weltkugel aus Stahlstreben, nicht unbedingt schön. Doch wenn man den Weg nach oben hinter sich gebracht hat und dann seinen Blick vom Felsen abhebt, dann wird man überrascht. Dort steht man und blickt auf das Ende der Welt. Man hat das Gefühl, man müsse nur die Hände weit genug ausstrecken und man könne sowohl Himmel als auch Wasser umarmen. Königin der Welt, nur ein kleines Gefühl von vielen, welche einen durchfluteten, wenn man hier oben stand. Der Ausblick ist so atemberaubend schön, dass ich kurzzeitig das Gefühl hatte daran zu ersticken. Ich hatte immer hier stehen wollen, genau an diesem Fleck. Und nun war ich hier. Leichte Sonnenstrahlen brachen durch die Wolkendecke und stachen ins Meer. Man wartete regelrecht auf die Explosion von Feuer, Wasser und Eis. Doch sie erfolgte nicht. Anstatt dessen ergaben sich immer neue Bilder. Leider war der Ausflug nach nur einer Stunde vorbei. Durchgefroren und hungrig traten wir den Rückweg zum Schiff an, welches nur wenige Augenblicke später wieder ablegte. Eine Nacht auf See, nicht gerade erholsam ... einiger meiner Tierchen wurden Seekrank. Der Morgen war ruhig, der Wellengang hatte nachgelassen. Während meine Tierchen endlich friedlich schlummerten begab ich mich zum reichhaltigen Frühstück. Auch am heutigen Tag würde wieder ein Landausflug anstehen. Diesmal ging es zum Trolltunga-Fjord. Dort gab es eine Klippe, welche weit über den Fjord reichte. Ein wahnsinniger Ausblick mit der gewissen Prise Nervenkitzel - das durfte ich mir einfach nicht entgehen lassen. Mit Wagen wurden wir durch eine wunderschöne Berglandschaft gefahren und erreichten dann im strahlenden Sonnenschein die Klippe. Während meine Tierchen lieber weiter hinten blieben und den Blick von sicheren Gefilden genossen, begab ich mich ganz nach vorne. Wobei ich die letzten Meter eher auf dem Bauch robbend zurück legte. Das war dann doch ganz schön hoch. Unten dümpelte das Schiff vor sich hin und soweit man schaute sah man Berge, Wiesen und Wasser. Hier konnte man es doch tatsächlich aushalten. Und wäre der Wind nicht so extrem kalt gewesen, ich hätte hier noch Stunden stehen und sitzen können. So musste ich mich nach nur wenigen Minuten der Natur beugen. Sonst wäre ich festgefroren. Wir vollführten noch ein kurzes Picknick und machten uns dann wieder auf den Weg zurück zum Schiff.
Eine weitere Nacht auf dem Schiff, eine weitere Nacht in welcher meine Tierchen Seekrank vor sich hinseufzten und keinen Schlaf fanden, während ich selig vor mich hinschnorchelte. Der nächste Morgen kam schonend. Meine Tierchen waren dann doch wieder irgendwann gegen frühen Morgen eingeschlafen und ich konnte das Frühstück wieder in Ruhe einnehmen. Heute würden wir den Geiranger-Fjord erkunden. Auch hier herrschte wieder eine unglaubliche Ruhe und Gelassenheit. Doch ich entschied mich am heutigen Tag mal einen Wellnesstag einzuplanen und ging somit nicht auf Landgang. Während ich also in einem Whirlpool und bei wunderbaren Massagen entspannte, stapften meine erwachten Tierchen fröhlich hinter einer Reiseführerin her. Sie besuchten eine Stabkirche, knipsten einen kompletten Stick der Kamera voll und kehrten gut gelaunt und plappernd zurück. Die nächsten Tage fuhren wir dann von einem Fjord in den nächsten, schossen Bilder in Massen und erfreuten uns der unglaublichen Schönheit dieser Landschaften. Einmal wanderten wir sogar ein bisschen durch einen Wald und trafen dort auf einen vor sich hin grasenden Elch. Schnell ein Foto gemacht und weg waren wir wieder. So ein großes Tier möchte ich nicht unbedingt wütend erleben. Das Geweih war schon sehr furchterregend. Schleichend entfernten wir uns wieder.
Tja, und nun sitzen wir hier auf dem Schiff und genießen den letzten Abend auf hoher See bevor wir dann in Bergen anlegen. Hui ... nun wird es hier aber wirklich empfindlich frisch. Schnell wieder rein bevor ich mir noch eine Erkältung hole.
Also, in diesem Sinne ... bis bald meine Lieben!

Eure Nadine

 15. Telegramm aus der Toskana (Italien)

 

Buon giorno aus der wunderschönen Landschaft der Toskana.
Nachdem wir die letzten Tage im kalten Norden Europas verbrachten, haben wir uns nun entschieden auch den Süden Europas einmal genauer zu betrachten. Und so haben wir uns für die Toskana entschieden. Landschaften wie aus dem Bilderbuch und Weinberge soweit das Auge reicht.
Wir landeten in Rom, früh am Morgen mit kleinen Ringen unter den Augen verließen wir das Flugzeug, schulterten unsere Rucksäcke und eilten zur Autovermietung. Immerhin waren wir nicht die einzigen Menschen die dieses Flugzeug verlassen hatten. Und wir waren ebenso nicht die einzigen, welche mit der Idee gespielt hatten sich einen Wagen zu mieten und damit weiterzureisen. Zum Glück waren wir schneller als anderen gewesen, was zum großen Teil daran lag, das wir nicht mit unzähligen Koffern reisten, sondern nur mit jeweils einem großen Rucksack. Diesen bekamen wir jedesmal mit viel Überredungskunst im Handgepäckfach unter. Ich zählte noch schnell alle Tiere durch und mietete dann einen großen Bus an. Der Mann hinter der Theke schaute nicht schlecht. Man konnte auch sagen, ihm fiel die Kinnlade herunter und er hatte arge Mühe diese wieder in eine physiologische Stellung zu bekommen. Aber trotz der Überraschung und dem Überfall unsererseits konnte er uns innerhalb von wenigen Minuten einen großen Bus besorgen. Gleichzeitig verriet er uns eine gute Adresse nahe Pisa, wo man für eine solch große Ansammlung von Tieren eine geeignete Schlafstätte würde finden können. Ich sollte mich bei einer älteren Dame melden und diese würde uns dann eine perfekte Finca vermitteln. Meine Tierchen bedankten sich, während ich für den Bus unterschrieb. Kurz daraus saßen wir in dem Ungetüm von Fahrzeug und quälten uns über die vielbefahrenen Straßen Roms hinaus auf die Landstraße, welche uns direkter Weise in die tiefste Toskana führen sollte. Anfangs begleiteten uns noch viele andere Fahrzeuge, doch umso weiter wir uns in die Landschaften hineinwagten, desto weniger PKW´s waren an unserer Seite zu finden. Von den Plätzen hinter mir hörte ich immer mal wieder erstaunte Ausrufe. Die Nasen klebten an den Fensterscheiben, die Augen groß wie Teller. Die Fahrt sollte nach Navigationsgerät so knapp um die vier Stunden dauern. Nach gefühlten 10, tatsächlich aber nur 2 Stunden lenkte ich auf einen kleinen Rastplatz. Dieser lag etwas oberhalb eines riesigen Weinberges. Soweit man schauen konnte Weinreben, dicht an dicht. Dicke blaue und grüne Trauben hingen an Zweigen, welche sich unter der großen Last gen Boden bogen. Ich öffnete die Türen und meine Tiere stürmten hinaus. Der Kies staubte. Und als sich die Wolke wieder gelegt hatte, musste ich schockiert feststellen, dass sich meine Tierchen an den vielen Weintrauben gütlich taten. Ein Pfiff meinerseits reichte und sie standen wieder wie in Reih und Glied vor mir. Ich deutete ihr ungezähmtes Verhalten richtig und packte ein kleines Lunchpaket für jeden aus. Während meine Tierchen im Gras saßen und in ihre Brotstullen bissen, machte ich mich auf den Weg durch die Weinreben. Die Trauben sahen wunderschön aus und auch ich als Laie konnte hier erkennen, dass es sich um einen erstklassigen Wein handeln musste. Ich wollte nicht wissen, was eine Flasche dieses Weines kosten würde. Die Sonne wanderte weiter an den Himmel und brach über den Berg. Sonnenstrahlen beleuchteten die ganze Szenerie. Weiter unten im Tal erkannte ich eine größere Ansammlung von Steingebäuden. Ohne weiter darüber nachzudenken machte ich mich weiter auf den Weg über Fels und Stein hinunter. Bis ich plötzlich vor einem alten Zaun stand. Stacheldraht lieblos an irgendwelchen Holzbrettern befestigt. Er tat seinen Dienst, hielt ungewollte Besucher von den wertvollsten Trauben fern. Kein Wunder, bei solchen hochwertigen Gewächsen konnte man gar nicht vorsichtig genug sein. Ich musste also mein Interesse und meine unglaubliche Neugierde sehr zurückschrauben und den Rückweg wieder antreten. Blöderweise ging dieser Bergauf. Aber ich hatte ja immer einen Plan B in der Tasche. Ich rief meine Esel herunter und diese brachten mich dann, wilde Geschichten über ihre Vorfahren erzählen wieder nach oben zum Bus. Meine Tierchen, inklusive Affe, Schlange und Bieber waren fertig mit dem Essen und saßen schon wieder brav auf ihren Sitzen. Kurz bevor ich einstieg, sah ich aus dem Augenwinkel wie ein Mann den Berg hinauf gerannt kam. Ich drehte mich um, so wollte ich doch nicht unhöflich sein. Auch wenn ich mir schon denken konnte, weshalb er nun doch zum Bus kam. Ich hatte unerlaubter Weise sein Grundstück betreten und nun musste ich mich damit abfinden, dass er mir die Leviten lesen würde. Doch mit jedem Schritt der er näher kam, begann er besser auszusehen. So ein Mist aber auch. Warum mussten Italiener immer so gut aussehen? Wie sollte ich mich darauf konzentrieren ihm zu sagen, dass ich es nicht böse gemeint habe, als ich sein Grundstück betrat sondern nur neugierig war, wenn er gutaussehend und mit strahlend blauen Augen vor mir stand. Ehe ich mir eine geeignete Ausrede einfallen lassen konnte, stand er mit einer Flasche Wein im Arm und einem umwerfenden Lächeln auf den Lippen vor mir. Er stellte sich mir als Adelmo vor. Bei seiner Sprache klang er ausgesprochen wirklich sehr schön. Als ich ihn wiederholte, musste er sich ein schiefes Grinsen regelrecht verkneifen. In gebrochenem Deutsch und doch sehr gutem Englisch erklärte er mir, dass er mich im Weinberg beobachtet hatte. Er sprach von meiner klar zu erkennenden Neugierde und wollte mir deshalb ein Angebot unterbreiten. Hierzu reichte er mir erst einmal die Flasche Wein und kramte dann aus seinen Jackentaschen sämtliche kleine Gläser hervor, wie man sie eigentlich nur benutzte um damit nen Schnaps hinunter zu kriegen. Mit geschickten und schnellen Handgriffen hatte er die Gläser im Bus verteilt, den Wein entkorkt (mit echtem Korken - selten gesehen) und dann den wohlriechenden Wein in kleinen Mengen ausgeschenkt. Ich schielte auf meine Uhr. Es war kaum Mittag und wir hielten ein Glas mit drei Tropfen Wein in den Händen. Meine nächste Sorge galt dann der Weiterfahrt. Wenn mich die Polizei nun anhalten und ich unwiderruflich die Tür würde, dann hatte ich ein Problem. Schon jetzt konnte man den Wein im Bus riechen. Was sollten dann die Polizisten denken? Ich würde keinen Schritt mehr weiterfahren dürfen. Adelmo hingegen lächelte nur müde angesichts meines Einwandes und bat mich, einen Schluck dieses Weines zu probieren. Er versprach mir, ich würde in meinem Leben keinen besseren mehr bekommen. Also zuckte ich mit leerem Magen die Schultern und nippte an dem Glas. Er hatte Recht, der Wein war vorzüglich. Er schmeckte fruchtig und süß. Wenn man die Augen zumachte, dann hatte man das Gefühl mitten in einem Berg aus Trauben zu stehen, um einen herum spielte Musik und die Menschen heizten einen dazu an, mit den Füßen die Trauben zu treten. Die warmen Sonnenstrahlen auf der Nase drehte man sich dann tanzend zur Musik und spürte die Energie, welche von diesem Moment ausging. Als ich die Augen wieder öffnete, stand er immer noch vor mir. Ein breites Grinsen lag in seinem Gesicht und in den Augen blitzte das Wissen um die Wirkung auf. Er bat uns, den Bus hier auf seinem Parkplatz stehen zu lassen und ihm doch zu folgen. Er wollte uns wie gesagt noch ein Angebot unterbreiten. Uns? Ein Angebot? Und das, wo wir doch ziemlich fremd für ihn waren. Aber da wir so und so nichts Besseres vor hatten, folgten wir ihm brav bis wir auf einem großen Hof standen. Umringt von großen Gebäuden aus Naturstein mit roten und grünen Dächern stellte er sich auf eine kleine Mauer um alles überblicken zu können. Während Adelmo eine kleine Ansprache hielt, schaute ich mich hier im Innenhof um. Auf Leinen, von einem Fenster zum anderen gespannt, hingen Kleidungsstücke welche im doch recht lauen Wind des nahenden Frühlings leicht schwankten. Grünes Efeu und winterfester Wein rankten sich abwechseln um Fenster und Türen. In einer kleinen gemütlichen Ecke stand eine lange Tafel aus Holz mit wild durcheinander gewürfelten Stühlen. Nicht unweit daneben war ein kleiner Durchgang zu finden, welcher einen Weg freigab. Dieser war umringt von Büschen und Bäumen. Das Räuspern eines meiner Pferde neben mir ließ mich den Blick auf schnellstem Wege zurück zu unserem italienischen Weinbauern zurückführen. Adelmo stand zwar immer noch auf der Mauer, nur hatte er diesmal die Arme vor der Brust verschränkt und schaute mich mit wütenden Augen an. Seine folgenden Worte waren eindeutig an mich gerichtet und ließen mich leicht erröten. Wenn es mich nicht interessieren würde, er würde mich hier nicht festhalten. Ich hob abwährend die Hände und horchte weiter seinen Erzählungen.
Er sprach von einem baldigen Frühlingsanfang und einem großen Fest, welches er geben wollte um der Umgebung und den ansässigen Weinbauern zu beweisen, dass auch er in seinen jungen Jahren über genügend Wissen und Ausdauer verfügte einen guten Wein herzustellen. Einen sehr guten Wein wie meine Tierchen und ich schon feststellen durften. Doch nun war seine Mutter erkrankt und sein Vater musste sich um sie kümmern. Das versprochene und schon groß angekündigte Fest drohte ins Wasser zu fallen. Allein aber war er nicht in der Lage den Wein zu ernten und dann das Fest zu organisieren. Als er uns nun auf seinem Parkplatz hatte stehen sehen, da war ihm die zündende Idee gekommen. Meine Tierchen waren groß und stark und sie waren viele. Es würde ein Leichtes sein mit so viel Unterstützung alles unter einen Hut und rechtzeitig fertig zu bekommen. Er bat uns um unsere Hilfe.
Ich war erstaunt und schaute ihn aus riesigen Augen an. Aber die Idee klang interessant. Also sagte ich zu. Einige Tierchen stimmten mir zu, andere grummelten nur komisches Zeug vor sich hin. Adelmo sprang mir erleichtert und gleichzeitig begeistert um den Hals und führten mich dann sofort in die riesige Küche des Anwesens seiner Eltern, welches er ebenfalls mit bewohnte. Wir nahmen an einem riesigen Tisch platz und während er uns über die näheren Details informierte und einen Plan erarbeitete, zauberte er gleichzeitig eine leckere Penne mit Tomatensauce und frisch geriebenem Parmesankäse. Es schmeckte vorzüglich und diesmal bekamen wir frisch gepressten Traubensaft, ungegoren und somit ohne Alkohol, dazu gereicht. Beim Nachtisch, einer einfachen Tasse guten Kaffee, kam dann auch sein Vater dazu. Ein älterer Herr, freundlich und sichtlich erfreut uns hier zu sehen. Dankbar für unsere Unterstützung. Er hatte sich schon allein mit seinen Söhnen im Hang herumklettern sehen. Und so verbrachten wir redend und lachend den Nachmittag in einer Küche. Als die Sonne wieder den Rückweg gen Horizont antrat und sich anschickte hinter den Bergen zu verschwinden machten wir uns unter Führung von Adelmo und seinem Vater Eduardo auf den Weg. Es ging eine staubige, von Zypressen und Büschen gesäumte Straße entlang. Jetzt im Schatten und mit aufkommendem Wind wurde es doch empfindlich kühl. Irgendwie plötzlich bog Adelmo dann nach links ab. Dort in den Büschen versteckt befand sich ein schmiedeeisernes Tor. Durch die einzelnen Streben hindurch konnte man einen von Gras zugewucherten alten Weg erkennen, welcher zu einem wunderschönen und riesigem Haus führte. Sie erklärten uns auf dem Weg zu eben diesem Haus, dass es das alte Herrenhaus war, welches zu dem Weinberg gehörte. Doch seinen Großeltern war es irgendwann zu groß geworden. Ebenfalls lag es zu weit weg vom eigentlichen Weinberg. Man war also meistens machtlos gewesen, wenn sich Diebe an den Reben zu schaffen gemacht hatten oder wenn eine kalte Nacht mit mehr als starken Minusgraden die Ernte zu zerstören drohte. Und so hatten sie dann das zweite Wohnhaus mitten im Weinberg erbaut. Dieses hier war alt und leer, seit Jahren hatte es keiner mehr wirklich betreten. Doch für meine Tierchen und mich würde es reichen müssen. Alle zusammen würden wir nicht auf bei ihm unterkommen können, da er über nur ein Sofa im Wohnzimmer und kein Gästezimmer verfügte. Wir betraten den Hof aus Kies. Überall sah man Unkraut und Gras wuchern, das ehemalige runde Beet in der Mitte des Hofes war als dieses nicht mehr zu erkennen. Etliche Bäume konnten gut und gerne mal wieder einen ordentlichen Zuschnitt vertragen. Wir erkannten umgehend, dass wir nicht nur bei der Ernte behilflich sein mussten, sondern das uns auch noch eine Renovierung ins Haus stand. Dieses wunderschöne Haus konnte man nicht so lassen, es musste einfach wieder in seinem alten Glanz erstrahlen. Mit zögernden Schritten betraten wir die große Eingangshalle aus Terrakottafarbenen Fliesen und braunen Marmor. Eine Treppe führte an der linken Seite in die oberen Räume, eine Treppe auf der rechten Seite führte indes in den Keller. Durch eine große Flügeltür aus schwerem Holz, welche offen stand konnte man den großen Wohnraum samt Kamin und verglaster Front erkennen, durch welche man in einen riesigen Garten mit Zitrus- und Olivenbäumen schaute. Die Möbel waren mit einst weißen Laken abgedeckt worden. Im Laufe der Jahre hatten sie ihre Farbe in ein undefinierbares Grau-Braun gewechselt. Doch die Möbel darunter die wirkten wie neu. Ein wenig Politur oder putzen würde reichen um sie wieder im alten Glanz erstrahlen zu lassen. Vom Wohnzimmer konnte man ohne große Umwege in die kleine gemütliche Wohnküche gelangen. Von dort konnte man die angrenzende Terrasse ebenso betreten wie vom Wohnzimmer aus. Ich ließ mich nicht lange bitten und schob die quietschende Tür weit auf. Von der Terrasse aus führten ein paar Stufen hinunter in den Garten, ein alter Olivenbaum spendete ein wenig Schatten für heiße Tage. Oben die Schlaf- und Gästezimmer waren einfach und relativ klein gehalten. Die Badezimmer luden zum Entspannen ein. Ich bedankte mich für die kurze Führung. Meine Tierchen tobten nach oben und verteilten sich auf die Zimmer, während ich mir noch schnell von Adelmo den Weinkeller zeigen ließ. Hier befanden sich noch immer wahre Schätze. Weine aus dem letzten Jahrhundert, eingestaubt und unglaublich wertvoll. Wieder oben an der Tür verabschiedete ich mich dankbar von seinem Vater und ihm. Danach schnappte ich mir Putzlappen und alles was man sonst noch so brauchte und war die halbe Nacht am reinemachen. Am nächsten Morgen erkannte man das Haus nicht wieder. Meine Tierchen waren erstaunt und wussten gar nicht wo sie zuerst hinschauen sollten. Alles blitzte und blinkte still vor sich hin. Doch lange hatten wir nicht Zeit alles zu genießen. Adelmo stand samt Vater schon vor dem eigentlichen Weckerklingeln mit frischen Einkäufen vor der Tür und hielt uns zur Eile an. Der Nachmittag sollte laut Wetterbericht Regen bringen und er wollte noch einen großen Teil der anstehenden Ernte reinbekommen.
Wir nickten, schoben uns im Laufen ein Brötchen in den Mund und begleiteten ihn dann zurück. Hätte ich gewusst, dass der Tag so anstrengend werden würde, ich hätte gestreikt! Am Abend fielen wir todmüde und mit geschundenen Händen ins Bett. Die nächsten Tage sahen nicht anders aus. All die Erholung von der Kreuzfahrt war hinüber. Doch dann kam endlich der Tag des Festes. Adelmo, sein Vater Eduardo und seine Mutter Angelina waren so aufgeregt, dass ich befürchtete, es würde nichts gelingen. Also gab ich jedem eine Aufgabe und machte mir dann einen Plan, wie man alles bestmöglich hinbekommen konnte. Es würde nicht einfach werden. 200 Leute hatten sich angekündigt. Der Hof war innerhalb einer halben Stunde vollgestellt mit Stühlen, Bänken und Tischen. Teller, Gläser und Besteck reihten sich auf den Tischen eng an eng. Die kleine Bühne mit dem großen Weinfass war da noch das kleinere Übel. Lichterketten wurden von einer Hauswand zur nächsten gespannt. In der Küche wurde gebacken, gekocht und gestritten. Während alle noch herumirrten wie die verrückten Hühner verabschiedete ich mich klammheimlich und eilte zurück in unser Domizil. Gut gelaunt gönnte ich mir ein entspannendes Bad, zog mich dann um und schlenderte zurück. Ich hatte mich für ein mintgrünes, knielanges Kleid entschieden. Darüber hatte ich eine beigefarbene Strickjacke gezogen. Abends war es doch noch sehr kühl im Tal. Schon von weitem konnte man die vielen Lichter erkennen, welche den Weg zum Feste zeigten. Die Musik schallte leicht über die Weinreben. Und Adelmo, ja der erwartete mich mit gespielt bösem Blick am Tor. Konnte sich dann aber ein Lachen nicht verkneifen. Das Fest würde ein voller Erfolg werden, das wussten wir beide. Das Fass war gefüllt mit Weintrauben, die Gäste saßen verteilt und unterhielten sich angeregt. Dazu bekamen sie Wein, Brot und frische Butter samt Olivenöl gereicht. Käsesorten und frische Trauben bildeten den Abschluss. Adelmo nahm ein Mikrofon und begann eine kurze Rede. In dieser bedankte er sich bei uns für unsere Hilfe und Geduld. Gleichzeitig gab er zu, dass er ohne uns aufgeschmissen gewesen wäre. Zum Schluss seiner Rede übergab er mir feierlich einen Schlüssel und meinte, es wäre der Schlüssel zu dem Haus in welchem wir wohnten. Ab jetzt würde es unser Ferienhaus sein. Wann immer wir wollten konnten wir nun dort hin kommen und Ferien verbringen. Das sei sein Dank für unsere Hilfe. Ich war schockiert und konnte mein Glück kaum fassen. Doch jeder Versuch ihn von dieser wahnwitzigen Idee abzubringen scheiterte an irgendwelchen Gästen, welche sich bei uns und bei ihm bedankten und immer wieder beteuerten wie sehr sie ihn doch unterschätzt hätten. Kurz darauf wurden wir mit Klatschen und lautem Gesang und Gegröhle dabei begleitet, wie wir in das Fass stiegen und kräftig auf den Trauben herumtrampelten bis frischer Saft durch ein Röhrchen in ein großes gläsernes Gefäß lief. Dies wurde dann in einem kleinen Fass entleert. Der erste Wein dieses Jahres hatte nun seine Reise begonnen zu einem der besten Weine dieser Region zu werden. Mit viel Wissen und noch mehr Geduld.
Am Abend, meine Tierchen schliefen schon laut schnarchend in ihren Betten, sie träumten von baldigen Urlauben in der Toskana, ließ ich mich mit einem Glas Wein auf den Stufen zum Garten nieder. Der Mond stand hoch am Himmel und beleuchtete alles. Ich konnte mein Glück nicht fassen.
In diesem Sinne wünsche ich euch noch einen schönen Abend. Lasst es euch gut gehen!

Liebe Grüße aus der Toskana
Nadine

 

 

  Traum einer Wirklichkeit

 

Ich finde Träume etwas wunderschönes, etwas an den man festhalten sollte - immer. Doch Träume verändern sich, von Minute zu Minute, von Tag zu Tag, von Jahr zu Jahr. Mit 4 wollte ich noch unbedingt Prinzessin werden. Ich wollte Frösche fangen, um sie dann zu küssen. Ich hatte die Hoffnung, dass gleich wie im Märchen sich der Frosch in einen Prinzen verwandeln würde. Ich träume von einem weit entfernten Land, dessen Eingang irgendwo am Horizont zwischen den Wolken lag. Ich träumte von immergrünen Bäumen, von der Sonne und von einem riesigen Schloss ganz aus Zuckerstangen, Keksen, Schokolade und einer glänzenden Schicht Zuckerguss! Mein Prinz würde mich mit einem weißen Schimmel, hoch zu Ross durch die Ländereien reiten, bis wir schlussendlich das Schloss erreichen würden. Mit 8 wollte ich dann die Welt verändern. Ich wollte sie gerechter machen - im Großen und Ganzen einfach nur besser! Ich dachte an die vielen Menschen, welche noch nicht einmal Kleidung trugen. Ich dachte an die vielen Menschen, welche sich nicht einfach einen Schluck Wasser nehmen konnten, ich dachte an all die vielen Kinder, welche Abends nicht mit viel Liebe ins Bett gebracht wurden. Ich dachte an all die vielen Kinder, die sich unter keine warme Decke kuscheln konnten, wenn draußen der Sturm an den Fenstern rüttelte und das Gebälk krachen lies. Ich wollte, dass jedes Kind auf der ganzen großen Welt eine Mama und einen Papa bekam. Ich wollte, dass jedes Kind auf der Welt zu seinem Geburtstag oder auch zu Weihnachten ein kleines Päckchen bekam. Ich wollte, dass jedes Kind genau das gleiche Spielzeug bekam wie auch ich. Ich wollte, dass alle so lebten wie ich in meiner eigenen Familie. Ich wollte unbedingt, dass jedes Kind einen Schutzengel an die Seite gestellt bekam, damit es nicht mehr einsam und allein war, dass es nicht mehr um seine Sicherheit besorgt sein musste, dass es nicht mehr Hunger und Durst leiden musste. Mit 15 wollte ich unbedingt Künstlerin werden. Ich wollte malen und all die vielen Emotionen, welche sich in mir anstauten ausdrücken ohen Worte dafür finden zu müssen. Meine Gefühle drohten mich immer und immer wieder von Innen heraus zu überspülen. Beinahe so wie eine riesige Welle in der Brandung wenn man wieder einmal zu weit heraus geschwommen war. Ich fand niemals die richtigen Worte um alles zu erklären, um diesen Gefühlen eine Gestalt zu geben. Ich versuchte sie zu malen, zu zeichnen - ich konnte es nicht, da ich sie selbst nicht verstand. Ich wusste nicht, was sie mir sagen wollten oder vor was sie mich beschützen wollten. Ich konnte sie nicht deuten und das machte mir Angst. Zum ersten Mal in meinem Leben kam zu den Träumen auch noch die Angst hinzu. Die Angst vor dem Scheitern, die Angst vor dem Vergessen oder dem Missverstehen. Diese Angst führte nur noch mehr dazu, dass ich mich unverstanden und allein fühlte, ich zog mich immer mehr in mich selbst zurück ... und achtete damals nicht darauf, dass ich damit wahrscheinlich anderen Menschen emotional weh getan hatte. Und jetzt mit 22 Jahren und um viele Erfahrungen reicher habe ich noch immer Träume, einen ganzen großen Karton voll. Ich möchte von so viel von der Welt sehen, ich möchte noch so viele neue und alte Menschen kennen lernen, ich möchte Fehler machen um daran zu lernen, ich möchte allein sein um dann zu merken, dass mir die Zweisamkeit fehlt, ich möchte mich in Menschenmassen stürzen um zu merken, dass manchmal die Einsamkeit die beste Zweisamkeit ist. Ich möchte ins kalte Wasser laufen und mich im warmen Sand kugeln. Ich möchte küssen und trauern, möchte weinen und lachen, schreien und flüstern. Irgendwann einmal möchte ich eine Familie, einen Mann der mich liebt und der mich nimmt wie ich bin - auch mit all meinen Ecken und Kanten, mit meinen Macken und Fehlern. Ich möchte Kinder, denen ich dann genauso viel Liebe schenken kann, wie ich sie bekommen habe und noch immer bekomme. Ich möchte ihnen lehren, dass das Leben nicht nur aus sonnigen Seiten besteht, sondern dass es dort auch irgendwo ganz versteckt Ängste geben kann. Und, weiß Gott, ich kenne diesen vielen Ängste, ich weiß wie es sich anfühlt, wenn man machtlos dem Schicksal beim Würfelspiel zuschauen muss. Ich weiß wie es ist, wenn man geliebte Menschen verliert, oh Opa, ich vermisse dich und noch heute, wenn ich nach Hause komme und in euer Wohnzimmer gehe, erwarte ich, dass du dort in deinem Sessel sitzt und Fußball schaust. Und jedes Mal wieder ist es wie eine Wand die sich mir plötzlich in den Weg stellt. Ich weiß wie es ist zu lieben und plötzlich, von jetzt auf gleich, mit der Sehnsucht zu kämpfen. Ich weiß, wie es ist, wenn man um sein eigenes Leben bangt - ich habe verdammt noch mal gelernt damit zu leben, dass auch der eigene Körper immer wieder Täler und Gipfel erreicht. Ich habe gelernt mit der Angst zu leben und an Träume zu glauben, denn es gibt Zeiten im Leben, wo die Träume einen helfen sich selbst über Wasser zu halten. Es gibt Tage im Leben wo Träume einem Helfen auch die schwersten Schicksalschläge mit einem leisen Lächeln zu überstehen. Nicht jeder der lacht ist auch glücklich. Auch ich habe schon oft gelacht um nicht weinen zu müssen, aber eines habe ich immer dabei gelernt: Man kann den Wind nicht verbieten. Aber man kann Mühlen bauen!

Info!

Alle Geschichten, die hier zu finden sind entspringen ganz allein meiner Fantasie. Zusammenhänge zu realen Personen sind nicht gewollt und wenn vorhanden rein zufällig. Reale Zusammenhänge wurden auch gerne mal übergangen - es sind ja auch Geschichten, keine Informationsblätter!


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