Gedächtnis meiner selbst

Inhaltsverzeichnis

  1.  Traum einer Wirklichkeit 

   1. Traum einer Wirklichkeit

 

Ich finde Träume etwas wunderschönes, etwas an den man festhalten sollte - immer. Doch Träume verändern sich, von Minute zu Minute, von Tag zu Tag, von Jahr zu Jahr. Mit 4 wollte ich noch unbedingt Prinzessin werden. Ich wollte Frösche fangen, um sie dann zu küssen. Ich hatte die Hoffnung, dass gleich wie im Märchen sich der Frosch in einen Prinzen verwandeln würde. Ich träume von einem weit entfernten Land, dessen Eingang irgendwo am Horizont zwischen den Wolken lag. Ich träumte von immergrünen Bäumen, von der Sonne und von einem riesigen Schloss ganz aus Zuckerstangen, Keksen, Schokolade und einer glänzenden Schicht Zuckerguss! Mein Prinz würde mich mit einem weißen Schimmel, hoch zu Ross durch die Ländereien reiten, bis wir schlussendlich das Schloss erreichen würden. Mit 8 wollte ich dann die Welt verändern. Ich wollte sie gerechter machen - im Großen und Ganzen einfach nur besser! Ich dachte an die vielen Menschen, welche noch nicht einmal Kleidung trugen. Ich dachte an die vielen Menschen, welche sich nicht einfach einen Schluck Wasser nehmen konnten, ich dachte an all die vielen Kinder, welche Abends nicht mit viel Liebe ins Bett gebracht wurden. Ich dachte an all die vielen Kinder, die sich unter keine warme Decke kuscheln konnten, wenn draußen der Sturm an den Fenstern rüttelte und das Gebälk krachen lies. Ich wollte, dass jedes Kind auf der ganzen großen Welt eine Mama und einen Papa bekam. Ich wollte, dass jedes Kind auf der Welt zu seinem Geburtstag oder auch zu Weihnachten ein kleines Päckchen bekam. Ich wollte, dass jedes Kind genau das gleiche Spielzeug bekam wie auch ich. Ich wollte, dass alle so lebten wie ich in meiner eigenen Familie. Ich wollte unbedingt, dass jedes Kind einen Schutzengel an die Seite gestellt bekam, damit es nicht mehr einsam und allein war, dass es nicht mehr um seine Sicherheit besorgt sein musste, dass es nicht mehr Hunger und Durst leiden musste. Mit 15 wollte ich unbedingt Künstlerin werden. Ich wollte malen und all die vielen Emotionen, welche sich in mir anstauten ausdrücken ohen Worte dafür finden zu müssen. Meine Gefühle drohten mich immer und immer wieder von Innen heraus zu überspülen. Beinahe so wie eine riesige Welle in der Brandung wenn man wieder einmal zu weit heraus geschwommen war. Ich fand niemals die richtigen Worte um alles zu erklären, um diesen Gefühlen eine Gestalt zu geben. Ich versuchte sie zu malen, zu zeichnen - ich konnte es nicht, da ich sie selbst nicht verstand. Ich wusste nicht, was sie mir sagen wollten oder vor was sie mich beschützen wollten. Ich konnte sie nicht deuten und das machte mir Angst. Zum ersten Mal in meinem Leben kam zu den Träumen auch noch die Angst hinzu. Die Angst vor dem Scheitern, die Angst vor dem Vergessen oder dem Missverstehen. Diese Angst führte nur noch mehr dazu, dass ich mich unverstanden und allein fühlte, ich zog mich immer mehr in mich selbst zurück ... und achtete damals nicht darauf, dass ich damit wahrscheinlich anderen Menschen emotional weh getan hatte. Und jetzt mit 22 Jahren und um viele Erfahrungen reicher habe ich noch immer Träume, einen ganzen großen Karton voll. Ich möchte von so viel von der Welt sehen, ich möchte noch so viele neue und alte Menschen kennen lernen, ich möchte Fehler machen um daran zu lernen, ich möchte allein sein um dann zu merken, dass mir die Zweisamkeit fehlt, ich möchte mich in Menschenmassen stürzen um zu merken, dass manchmal die Einsamkeit die beste Zweisamkeit ist. Ich möchte ins kalte Wasser laufen und mich im warmen Sand kugeln. Ich möchte küssen und trauern, möchte weinen und lachen, schreien und flüstern. Irgendwann einmal möchte ich eine Familie, einen Mann der mich liebt und der mich nimmt wie ich bin - auch mit all meinen Ecken und Kanten, mit meinen Macken und Fehlern. Ich möchte Kinder, denen ich dann genauso viel Liebe schenken kann, wie ich sie bekommen habe und noch immer bekomme. Ich möchte ihnen lehren, dass das Leben nicht nur aus sonnigen Seiten besteht, sondern dass es dort auch irgendwo ganz versteckt Ängste geben kann. Und, weiß Gott, ich kenne diesen vielen Ängste, ich weiß wie es sich anfühlt, wenn man machtlos dem Schicksal beim Würfelspiel zuschauen muss. Ich weiß wie es ist, wenn man geliebte Menschen verliert, oh Opa, ich vermisse dich und noch heute, wenn ich nach Hause komme und in euer Wohnzimmer gehe, erwarte ich, dass du dort in deinem Sessel sitzt und Fußball schaust. Und jedes Mal wieder ist es wie eine Wand die sich mir plötzlich in den Weg stellt. Ich weiß wie es ist zu lieben und plötzlich, von jetzt auf gleich, mit der Sehnsucht zu kämpfen. Ich weiß, wie es ist, wenn man um sein eigenes Leben bangt - ich habe verdammt noch mal gelernt damit zu leben, dass auch der eigene Körper immer wieder Täler und Gipfel erreicht. Ich habe gelernt mit der Angst zu leben und an Träume zu glauben, denn es gibt Zeiten im Leben, wo die Träume einen helfen sich selbst über Wasser zu halten. Es gibt Tage im Leben wo Träume einem Helfen auch die schwersten Schicksalschläge mit einem leisen Lächeln zu überstehen. Nicht jeder der lacht ist auch glücklich. Auch ich habe schon oft gelacht um nicht weinen zu müssen, aber eines habe ich immer dabei gelernt: Man kann den Wind nicht verbieten. Aber man kann Mühlen bauen!


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